Stadtarchiv Althofen

      Das Stadtarchiv am Salzburger Platz

      Ausgewählte Archivalien und kleine Beiträge

      1943 schrieb die dritte Klasse der Volksschule Althofen „ein[en] Gruß der Heimat allen jenen Soldaten, die jemals ins Kärntner-Soldatenheim in Narvik [in Norwegen] kommen“, bestehend aus 48 Blättern mit Gedichten oder fotografischen Ansichten aus dem Gau Kärnten,1 die den Soldaten „viel Freude und […] frohe Stunden bereiten“ sollten, wie es im Begleitschreiben heißt.2 Die Blätter erreichten im selben Jahr die Soldaten „in Finnland, an der Murmansk-Front“, wie es aus dem Bericht jenes Soldaten hervorgeht, dem das Geschenk „damals große Freude“ bereitete, und der es 1970 der Volksschule Althofen wieder übergab.3

      Wie kam es nun zu einem „Kärntner-Soldatenheim“ in Norwegen und warum gelangte der Gruß nach Finnland?
      Ein Gruß aus Althofen nach Narvik 1943 Bei der Besetzung Norwegens 1940 durch die Wehrmacht konnten im Raum von Narvik deutsche Einheiten einer alliierten Übermacht wochenlang standhalten, bis schließlich die alliierten Einheiten an die Westfront verlegt und so Narvik eingenommen werden konnte.4 Den Kern der Truppen in Narvik bildete das Gebirgsjägerregiment 139 aus Klagenfurt,5 deren Soldaten zum „größten Teil“ aus Kärnten selbst kamen,6 und dem der Befehlshaber in Narvik, General Dietl „das Hauptverdienst“ am Sieg zusprach.7 Der Kampf um Narvik wurde in ganz Deutschland in den Zeitungen und mit Publikationen „enthusiastisch gefeiert“, wie es Grischany zusammenfasste.8 An den Bahnstationen wurden per Zug auf Heimaturlaub kommende Soldaten laut Presse „begeistert gefeiert“;9 so auch am 29. August 1940 in Althofen, wo sich, wie die Alpenländische Rundschau berichtete, am Bahnhof „eine große Menge Partei- und Volksgenossen“ einfand, und „Frauen und Mädchen […] den Kämpfern Blumen und Zigaretten in die Wagen“ reichten.10
      Als es nun 1941 zu einem Spendenaufruf zum Bau eines Soldatenheims in Narvik kam, schlug der Gaupropagandaleiter von Kärnten Ottokar Dumbl vor, dass dieses Heim „ausschließlich aus Spenden der Kärntner Bevölkerung“ erbaut werden solle aufgrund „der engen Bande“, die Kärnten als „Heimat der Narvikkämpfer“ mit dieser Schlacht verbinden.11 Innerhalb eines Monats wurden in Kärnten 680.229 Reichsmark gesammelt,12 was im Jahr 2021 wohl 2,8 Millionen Euro entspräche,13 und am 28. August 1942 wurde das aus diesen Spenden errichtete Soldatenheim eröffnet.14
      Das Gebirgsjägerregiment 139, das den Gruß der Schulkinder erhielt, befand sich aber nun schon seit 1941 an der finnisch-sowjetischen Grenze, wo sie als Teil der deutschen Einheiten vergeblich versucht hatten, Murmansk einzunehmen.15

       

      Günther Jannach, Jänner 2022 

       

      Anmerkungen

       

      1: Da zum Gau Kärnten 1943 auch Osttirol (Gebietsgesetz von 1938) und quasi die Oberkrain (Führererlass von 1941) gehörten, enthält die Mappe auch Fotos von Lienz und Kranjska Gora.
      2: VS Althofen 3 Kl. 1943. Die Mappe enthält 34 Blätter mit 41 fotografischen und drei graphischen Ansichten aus Kärnten, sowie 14 Blätter mit von den Schulkindern abgeschriebenen Gedichten.
      3: Begleitschreiben 1970.
      4: Etschmann 2011, S. 302.
      5: Kaltenegger 1999, S. 79.
      6: Kärntner Volkszeitung und Heimatblatt 12. Dezember 1940, S. 3.
      7: Dietl 1940, S. 6.
      8: Grischany 2015, S. 120.
      9: Agrarische Post 27. Juli 1940, 14. Bei der Durchfahrt in Wien glich beim Empfang der Bahnhof „einer Budenstadt, die zu einem Volksfest errichtet war“, berichtete die Zeitung Neues Wiener Tagblatt, 2. August 1940, S. 6. Der Narvikkämpfer Haussels 1940, 5 sprach beim Empfang in Klagenfurt von „Tausenden“ begeisterten Menschen und „Kaskaden von Blumen“, die sich über die Soldaten ergossen.
      10: Alpenländische Rundschau 31. August 1940, S. 6.
      11: Illustrierte Kronen Zeitung 8. Feber 1941, S. 4.
      12: Alpenländische Rundschau 5. September 1942, S. 4.
      13: Kaufkraftäquivalente historischer Beträge 2021.
      14: Alpenländische Rundschau 5. September 1942, S. 4.
      15: Kaltenegger 1999, S. 213.

       

      Quellen- und Literaturverzeichnis

      Quellen

      Agrarische Post 27. Juli 1940 = Agrarische Post, Wien 27. Juli 1940.
      Alpenländische Rundschau 13. Juli 1940 = Alpenländische Rundschau, Klagenfurt 13. Juli 1940.
      Alpenländische Rundschau 31. August 1940 = Alpenländische Rundschau, Klagenfurt 31. August 1940.
      Alpenländische Rundschau 5. September 1942 = Alpenländische Rundschau, Klagenfurt 5. September 1942.
      Begleitschreiben 1970 = Begleitschreiben zu VS Althofen 3 Kl. 1943 (Wien 1970)
      Dietl 1940 = Dietl, E.: Dankestelegramm des Siegers von Narvik. In: Alpenländische Rundschau, Klagenfurt 3. August 1940, 6.
      Führererlass von 1941 = Erlass des Führers über die die vorläufige Verwaltung in den besetzten ehemals österreichischen Gebieten Kärntens und der Krain, 14. April 1941.
      Gebietsgesetz von 1938 = Gesetz über Gebietsveränderungen im Lande Österreich vom 1. Oktober 1938.
      Haussels 1940 = Haussels, A.: Heimkehr von Narvik. In: Alpenländische Rundschau, Klagenfurt 3. August 1940, S. 5.
      Illustrierte Kronen Zeitung 8. Feber 1941 = Illustrierte Kronen Zeitung, Wien 8. Feber 1941.
      Kärntner Volkszeitung und Heimatblatt 12. Dezember 1940 = General Dietl in Kärnten. In: Kärntner Volkszeitung und Heimatblatt, Klagenfurt 12. Dezember 1940. 
      Neues Wiener Tagblatt, 2. August 1940 = Neues Wiener Tagblatt, Wien 2. August 1940.
      VS Althofen 3 Kl. 1943 = Volksschule Althofen: Ein Gruß der Heimat der dritten Klasse (Althofen 1943).

      Literatur

      Etschmann 2011 = Etschmann, W.: Narvik 1940. In: Truppendienst, 4, Wien 2011, 302
      Grischany 2015 = Grischany, T: Der Ostmark treue Alpensöhne: Die Integration der Österreicher in die großdeutsche Wehrmacht, 1938 - 45, Wien 2015.
      Kaltenegger 1999 = Kaltenegger, R.: Krieg am Eismeer - Gebirgsjäger im Kampf um Narvik, Murmansk und die Murmanbahn, Graz 1999.
      Kaufkraftäquivalente historischer Beträge 2021 = Seite: Deutsche Bundesbank: Kaufkraftäquivalente historischer Beträge in deutschen Währungen Stand: Januar 2021. URL: https://www.bundesbank.de/resource/blob/615162/d55a20f8a4ecedd6d1b53e01b89f11c4/mL/kaufkraftaequivalente-historischer-betraege-in-deutschen-waehrungen-data.pdf, abgerufen Jänner 2021.

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