Stadtarchiv Althofen

      Das Stadtarchiv am Salzburger Platz

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      Hallstattzeitliche Keramik

      Um 1940 wurden beim „Einebnen der Sandgrube“ in einem Garten im ehemaligen Ortsteil Sand in Althofen1 acht Tonscherben gefunden, wie es in einem Begleitschreiben von 1940 heißt.2 2022 untersuchte Paul Gleirscher, Leiter der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte am Landesmuseum den Fund mit dem Ergebnis, dass fünf Scherben aus dem Mittelalter stammen, drei jedoch aus der Hallstattzeit, also aus der Zeit von ca. 850 - ca. 300 v. Chr.3

       

      Aber welches Volk war eigentlich Träger der Hallstattkultur? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, da die Menschen der Hallstattkultur nicht überlieferten, wie sich nannten oder genannt wurden.4

      Nun ist die Hallstattkultur zunächst ja nur eine sogenannte archäologische Kultur, beschreibt also nur einen Formenkreis, der die Ausdehnung beispielsweise bestimmter Schmuck-, Keramik-, oder Waffentypen definiert.5 Deshalb ist es fraglich, ob ein solcher Formenkreis überhaupt einer einzigen Kultur zugeschrieben werden kann, wenn doch

      1. einerseits kulturelle Aspekte wie beispielsweise Sprache, Gesellschaftsform oder Wertevorstellungen unbeachtet bleiben,6 und
      2. andererseits sich die Ausdehnung einer archäologischen Kultur allein mit der Wahl des definierenden Formtyps (Keramik, Bestattungsart, Waffen oder ähnliches) ändern kann.7

      Vor diesem Hintergrund scheint eine Zuordnung einer archäologischen Kultur zu einem einzigen Volk, Stamm oder Nation im Allgemeinen schwierig.8

       

      Dennoch versuchte man im Speziellen seit dem 19. Jahrhundert, die hallstattzeitliche Bevölkerung mit den aus antiken Quellen bekannten Illyrern9 gleichzusetzen; ein Versuch, der aber auch für Kärnten aufgrund der Quellenlage in den 1990er schließlich scheiterte, wie Gleirscher überzeugend darlegte.10 Wenn also am Aussichtsturm in Althofen steht, „Illyrer […] hatten […] ihre Wohnstätten“ in Althofen,11 so spiegelt dies eine heute nicht mehr vertretbare, frühere Ansicht wider. Das wundert aber auch nicht, stammt der Text ja aus dem Jahr 1981.12

       

      Wer nun aber auch immer die Träger der Hallstattkultur in Kärnten waren, sie hatten jedenfalls eine Siedlung in Althofen. Denn 1900 fand man beim Bahnhof ein hallstattzeitliches Hügelgrab.13 Das Grab dürfte Teil eines Gräberfeldes gewesen sein, denn zumeist werden ganze Hügelfelder gefunden, und so sei für Althofen nach Gleirscher „Ähnliches zu erwarten“.14 Die Siedlung selbst mag nun in der näheren Umgebung des Bahnhofs gewesen sein, denn „in einigen Fällen liegt das Gräberfeld kaum 100 Meter vom Hallstattdorf entfernt“, wie Krawarik festhielt.15

       

      Günther Jannach, März 2022

       

      Anmerkungen

       

      1: Im Österreichischen Amtskalender wurde bis 1997 „Sand“ als „Ortschaftsbestandteil“, wie es der Österreichischer Amtskalender 1997/98, 1029 nennt, von Althofen geführt.
      2: Begleitschreiben 1940.
      3: Gleirscher 2011, S. 119 datierte die Hallstattzeit in Kärnten für diesen Zeitraum.
      4: Gleirscher 2006, 19.
      5: Brather 2001, 450.
      6: Nach Brather 2001, 443 beschränkt sich nämlich der „archäologische Kulturbegriff […] weitgehend auf die materielle Seite einstiger Gesellschaften und umfasst insofern nur einen Teil einer umfassend verstandenen Kultur bzw. Zivilisation“.
      7: Nach Brather 2001, 449: fallen „je nach Auswahl der Merkmale (Einzelelement von Keramik, Kleidung, Bestattung, Hausbau, Siedlung, Wirtschaftsweise) […] die Abgrenzungen archäologischer Kulturen unterschiedlich aus“.
      8: Wie archäologische Kulturen stellen ja auch „Sprachen, Ethnien und Population wissenschaftliche Abstraktionen dar, die sich nicht unmittelbar miteinander in Beziehung setzen lassen“, wie Brather 2001, 451 wohl zu Recht festhält.
      9: Für die antiken Griechen sind die Illyrer nach Lippert / Matzinger 2022, ff. zunächst einfach ihre „nordwestlichen Nachbarn“.
      10: Gleirscher 2006. Gleirscher 2006, 20 schlug vor, die vorkeltische Bevölkerung in Kärnten als Noriker zu identifizieren, da der Norikername „wie der Stamm selbst als vorkeltisch zu gelten“ haben. Für Strobel 2012, 186 gab es hingegen „keinen Hinweis, dass das Ethnikon der Noriker […] nicht mit den ab ca. 300 v. Chr. […] einwandernden Latène-Kriegereliten [also den Kelten] zu verbinden wäre“.
      11: Der Text an der Geschichtstafel am Hornturm zitiert Amberger / Riegler 1983, S. 1.
      12: Der Text stammt aus Amberger / Riegler 1983, S. 1.
      13: Jaksch 1901, S. 55; Gleirscher 2005, S. 100.
      14: Gleirscher 2005, S. 100 f.
      15: Krawarik 2006, S. 20.

       

      Quellen- und Literaturverzeichnis

       

      Quellen

      Begleitschreiben 1940 = Begleitschreiben zum Fund von Scherben im ehemaligen Ortsteil am Sand, Wien 1940.
      Geschichtstafel am Hornturm = Geschichtstafel am Hornturm (Aussichtsturm) Althofens.
      Österreichischer Amtskalender 1997/98 = Österreichischer Amtskalender 1997/98, Wien 1997.

       

      Literatur

      Amberger / Riegler 1983 = Amberger, E. / Riegler, E.: Althofen–Treibach in alten Ansichten, Zaltbommel 1983.
      Brather 2001 = Brather, S.: Kulturgruppe und Kulturkreis. In: RGA 17, Berlin / New York 2001, 442-452.
      Lippert / Matzinger 2022 = Lippert, A. / Matzinger, J.: Die Illyrer - Geschichte, Archäologie und Sprache, Stuttgart 2022.
      Gleirscher 2005 = Gleirscher, P.: Hügelgräber und Herrschaftsbereiche im Ostalpenraum. In: Arheološki vestnik 56, Laibach 2005, 99–112.
      Gleirscher 2006 = Gleirscher, P.: Von wegen Illyrer in Kärnten. In: Rudolfinum 2006, 13-22, Klagenfurt 2006.
      Gleirscher 2011 = Gleirscher, P.: Die Hügelgräber von Frög, Klagenfurt 2011.
      Jaksch 1901 = Jaksch, A.: Kleine Mittheilungen, 4. In: Carinthia I, Klagenfurt 1901, 54-55.
      Krawarik 2006 = Krawarik, H.: Siedlungsgeschichte Österreichs, Wien 2006.
      Strobel 2012 = Strobel, K.: Noreia – Mythos und Realität. In: Römisches Österreich, Wien 2012, 153-219.

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