Stadtarchiv Althofen

Hornturm im Oberen Markt in Althofen

Ausgewählte Archivalien und kleine Beiträge

Ich bin immer davon ausgegangen, dass der heutige Kreuzweg in Althofen 1859 errichtet wurde, da ich einen Brief von 1859 kannte, der von einer Stiftung zur wörtlich „Herstellung des Kreuzweges“ berichtete. Die Erkenntnis, dass ich den Brief falsch gedeutet habe, und der Kreuzweg fast dreißig Jahre älter ist, verdanke ich einem Zufallsfund. Weil die ganze Sache aber aus meiner Sicht ein gutes Beispiel ist, wie einem seine eigenen Vorurteile manchmal den Blick verstellen, mache ich diesmal einen etwas anderen Blog übers Forschen und die Geschichtswissenschaft an sich.


Bei der Geschichtswissenschaft geht es im Kern darum, Thesen auf Grundlage von Fakten aufzustellen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dies einerseits in der Hoffnung, dass diese Thesen jemand liest und nutzt, also dass man seine Erkenntnisse vermitteln konnte; andererseits aber auch in der Hoffnung, dass sie jemand prüft. Und damit Thesen vor allem einfach geprüft werden können, werden den Texten typischerweise riesige Anmerkungsapparate hinzugefügt, in denen angemerkt wird, aus welcher Quelle oder Sekundärliteratur man diesen oder jenen Fakt ableitet. Quelle ist – bildlich gesprochen – dabei einfach das ursprüngliche, das erste Objekt (Schriftstück, Artefakt oder ähnliches), aus dem der Fluss an Sekundärliteratur entspringt, die jenes Objekt beschreibt und deutet.

 

Wenn wir also beispielsweise behaupten, Althofen sei 953 an Salzburg geschenkt worden, sagen wir entweder dazu, „das haben wir als Sekundärliteratur bei Peter Bergmann in seinem wunderbaren Buch ‚Althofen in Kärnten‘ Seite vierundvierzig gelesen“, weil wir wissen, dass Peter Bergmann sich gründlich mit der Materie beschäftigt hat. Oder wir gehen ins Staatsarchiv, um die Urkunde von 953, also die Quelle, mit eigenen Augen zu sehen. Da könnten wir aber auf das Problem stoßen, dass die Urkunde in einer Schrift geschrieben ist, die wir nicht lesen können, in einer Sprache verfasst, derer wir nicht mächtig sind, oder Begriffe verwendet, die wir nicht (mehr) verstehen. Ganz abgesehen von Fragen, ob die Urkunde ein Original, eine spätere, mehr oder weniger getreue Abschrift (die Urkunde von 953 ist in der Tat nur in einer Handschrift von um 1300 vorhanden) oder gar eine Fälschung ist. Um nun nicht ein Experte in Urkundenkunde aller Epochen werden zu müssen, nützt man sogenannte Quelleneditionen, die Quellen in heutige Schrift und vielleicht Sprache bringen, Begriffe erklären und sich mit der Überlieferung, also deren Authentizität beschäftigen.


In der großräumigen Geschichte, also der National-, Landes- oder Regionalgeschichte, funktioniert nun beides gut: Es gibt viele Menschen, die Thesen prüfen, und es gibt viele Quelleneditionen. In der kleinräumigen Geschichte, also der Lokalgeschichte, fehlt es typischerweise einfach an der Anzahl an Menschen, die sich mit dieser Geschichte beschäftigen, und somit Thesen prüfen oder Quellen editieren. Die Lokalgeschichte hat aber dadurch, so meine ich, den großen Vorteil, einfacher neue Erkenntnisse zu finden. Sie birgt aber auch die größere Gefahr, dass Fehler übersehen werden. Wenn man nun selbst auf seinen eigenen Fehler draufkommt, ist das also ein Glücksfall. Doch was war mir nun passiert?


1968 schrieb Dechant Semmelrock: „1889 wurden die Kreuzwegstationen auf dem Kalvarienberg errichtet“. Woher Dechant Semmelrock diese Information hatte, schrieb er nicht. Man möchte vermuten aus der Pfarrchronik, die ein Kapitel „Hl. Kreuzwegstationen. 1889“ beinhaltet. Allerdings beginnt das Kapitel mit dem Satz: „Die 14 gemauerten Kreuzwegstationen […] hatten seit dem Jahre 1859 Bilder an die Häuser gemalt, welche in [???] roher Form von einem gewissen Maler Haberl gemalt worden sind“. Diesem Hinweis ging ich nun nach und fand ein Schreiben von 1859. Dieses berichtete von einer Stiftung zur „Herstellung des Kreuzweges“, und dass dessen „Kreuzwegstationsbilder […] vom Maler Primus Haberl […] hergestellt worden sind“.

 

Der Fall war damit für mich klar, die Stationen wurden 1859 hergestellt im Sinne von gemacht, hingestellt, errichtet. Und diese Datierung hätte womöglich auch wieder, wie jene von Semmelrock, über 50 Jahre Bestand gehabt, wäre ich nicht bei einer anderen Recherche über einen Brief von 1833 gestolpert, der berichtet, dass „die ganz neu angelegten Kreuzwegstationen nun gänzlich vollendet“ seien. Nun war klar, dass ich aus den vielen Bedeutungen von herstellen die falsche genommen hatte.


Wie viele Bedeutungen herstellen haben kann, zeigt folgende Geschichte: Kaum dass nach langer Krankheit seine Gesundheit hergestellt (in den ursprünglichen Zustand gebracht) war, hat er sein in China hergestelltes (gefertigtes) Funkgerät an seinen Tisch hergestellt (an einen anderen Ort gebracht) und mit einer Raumfähre eine Verbindung hergestellt (zustande gebracht). Die Quelle von 1859 sprach also von in den ursprünglichen Zustand bringen. Man könnte auch restaurieren sagen, denn in der Tat konnte im 19. Jahrhundert ein Restaurator auch Hersteller genannt werden (wobei Restaurator damals auch noch Besitzer eine Gastwirtschaft heißen konnte).


Rückblickend meine ich, dass ich mit der Information von 1889, dass Primus Haberl 1859 die Bilder „gemalt“ hätte, mit einem Vorurteil an die Quelle von 1859 ging, wodurch das Wort herstellen für mich keine andere Bedeutung als fertigen mehr haben konnte. Gelernt habe ich aus der Geschichte, wie schnell man selbst seinen eigenen Vorurteilen erliegen kann.

 

Nun hat zwar auch das Wort anlegen in der Wendung „der neu angelegte Kreuzweg“ unterschiedliche Bedeutungen, jedoch die Bedeutung neu schaffen wird wohl stimmen. Denn weder mag sich der Kreuzweg mit einem anderen Kreuzweg angelegt haben, noch mag er nach langer Fahrt übers Meer an der Küste Althofens angelegt haben, noch mag ihm ein Verband oder ein Kleid angelegt worden sein, noch mögen die Althofener Bürger ihn auf der Bank zwecks Zinsen angelegt haben.

 

Günther Jannach, August 2023

Buchveröffentlichung

 

Im Oktober 2023 veröffentlichten wir unsere ersten zwölf Blogs als 62 Seiten starkes Buch „Matucaium – Beiträge des Stadtarchivs Althofen zur Geschichte Althofens“ beim Verlag Ploder, erhältich um 20 Euro bei Buch-Papier-Basteln-Spielwaren Schöffmann in der Kreuzstraße 24, 9330 Althofen oder bei Günther Jannach unter gjannach@edu.aau.ac.at.

Buchreihe Matucaium

Gnomenbrunnen am Salzburger Platz

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