Am 10. August 1940 berichtete die Alpenländische Rundschau in der Rubrik „Aus dem Kärntner Heimatgau“ über „die Wohnbauten [in Althofen] für die rückgesiedelten Kanaltaler, die gegenüber der Funder-Säge im Entstehen sind und in befriedigender Weise vorwärtsschreiten.“1 1968 beschrieb Landesoberbaurat Herbert Krappinger diese Wohnbauten als „verschieden große zweigeschossige Häuser“, die „eine Art Hofanlage bilden“, und in denen „32 Familien eine Heimstätte fanden“.2 Wie es dazu kam, dass – nicht nur in Althofen – sogenannte Kanaltalersiedlungen entstanden, soll Thema dieses Artikels sein.

Gleichenfeier der Kanaltalersiedlung in Althofen mit HJ-Abordnung 1940 [Quelle: Stadtarchiv Althofen: Digitales Archiv, Slg. R. Pichler, Ser. H. Auer].
„Kärnten [...] frei und ungeteilt!“ Dies war die Parole jener, die bei der Kärntner Volksabstimmung für die Zugehörigkeit des Abstimmungsgebietes zu Österreich warben,3 erinnerte sich 1950 Vinzenz Schumy (1878 – 1962), einst „erster Vorsitzender des mit der Propaganda und der Vorbereitung für die Abstimmung betrauten Kärntner Heimatdienstes“, wie er seine Funktion selbst beschrieb.4 Die Parole schrieb sich in Kärnten ins kollektive Gedächtnis und wird bis heute gerne beim Gedenken an Abwehrkampf und / oder Volksabstimmung zitiert.5
„Kärnten ungeteilt“ war aber nie korrekt. Denn über 6 % der Fläche Kärntens6 mussten nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg aufgrund der Friedensbestimmungen von 1919 ohne Volksabstimmung abgegeben werden,7 nämlich das Mießtal an Jugoslawien und das Kanaltal mit der angrenzenden Gemeinde Weißenfels8 an Italien.

Kärnten mit Kanaltal mit dem Hauptort Tarvis [Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Ausschnitt Plakat "Die Heimat ruft!", URL: http://data.onb.ac.at/rec/baa15821817, Klagenfurt 1920].
In den zu Italien gefallenen Gebieten lebten 1910 laut Volkszählung 6.397 deutsch-, 1.682 slowenisch- und 10 italienischsprachige Menschen.9 Drei Tage vor der Kriegserklärung Italiens 1915 an Österreich-Ungarn wurde das Kanaltal evakuiert, ohne den Bewohnerinnen und Bewohnern „ein paar Tage Zeit zur Räumung zu überlassen“, sodass „viel Hab und Gut zurückgelassen werden musste, welches leicht hätte geborgen werden können“, wie sich 1917 Theodor Kovatsch, Badbesitzer in Bagni di Lusnizza (Lußnitz), erinnerte.10 Die Flüchtlinge wurden, so der Kärntner Landbote, in „Fürnitz, Feldkirchen, Friesach, in die Gegend von Völkermarkt, Eberndorf und Klagenfurt“ untergebracht.11 In der zwölften Isonzo-Schlacht wurden die italienischen Truppen zum Rückzug gezwungen, sodass sie in der Nacht zum 29. Oktober 1917 auch die Stellungen an den Kärntner Grenzen aufgaben, wie die Kärntner Zeitung berichtete.12 Über zwei Jahre lag das Kanaltal zwischen den Stellungen der Österreicher und Italiener, wobei, „was die Geschützkämpfe an Wohnstätten nicht zerstört haben, das haben die Truppen, die [...] nicht immer mit der Materialzufuhr zum Stellungsausbau auskamen, zerlegt“, wie die Kärntner Zeitung berichtete.13 Nach der Schneeschmelze im Frühjahr 1918 kehrte die Bevölkerung zurück, „allen Entbehrungen zum Trotz, ohne Obdach, jämmerlich verpflegt“, so die Zeitung weiter.
Mit der seit 1922 faschistischen Regierung Italiens verstärkte sich die Unterdrückung der deutschen und slowenischen Minderheit im Kanaltal. Der Schulunterricht wurde stufenweise auf Italienisch umgestellt, ebenso die Sprache im Kindergarten. Amtliche Aufschriften durften nur in Italienisch geschrieben sein, Amtssprache war Italienisch.14
1925 berichteten die Freien Stimmen über das Kanaltal wie folgt: „Italienische Arbeiter sind neben Beamten und Militär in Scharen zugezogen.15 […] Scheu und gedrückt gehen die Bewohner umher. Sie wissen sich von Spionen umgeben. Versammlungen und Vereine sind verboten. Die Schulen werden italianisiert. […] Wer keine beruflichen Bindungen hat, wandert nach Deutschösterreich ab. Denn die eigene Heimat ist den Kanaltalern verleidet.“
1926 beschrieb ein anonymer Leserbriefschreiber aus Hermagor die Lage der nicht italienischsprachigen Bewohner im Kanaltaler wie folgt: „Eine helle Verzweiflung hat sich ihrer bemächtigt. […] Dass ihnen in der Schule die Muttersprache genommen wurde und dass sie sich mit keinem behördlichen Organ in der Muttersprache verständigen können und dadurch der Willkür ausgeliefert sind, damit scheinen sich Deutsche wie Slowenen schon abgefunden zu haben. […] Was aber die Kanaltaler zur Verzweiflung treibt, ist die Durchdringung des ganzen Geschäftsverkehres durch Reichsitaliener und die dadurch hervorgerufene trostlose wirtschaftliche Lage der angestammten Bevölkerung. […] Dazu kommen die ungeheuren Steuerlasten und die Kosten des Wiederaufbaues. […] Unter solchen Verhältnissen ist es kein Wunder, wenn viele Kanaltaler ihrer Heimat den Rücken kehren, und ein Besitz nach dem anderen in die Hände der Reichsitaliener fällt. Nicht die Sprachenverordnungen, sondern die wirtschaftliche Lage bringt das Tal in die Gefahr der gänzlichen Italienisierung.“16
Die Hoffnung auf Besserung oder eine Wiederangliederung an Österreich wurde spätestens im Mai 1938, einen Monat nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland, zerschlagen, als die Bevölkerung in den Zeitungen Adolf Hitlers Rede bei Mussolini nachlesen konnten, wo er sagte: „Es ist mein unerschütterlicher Wille und mein Vermächtnis an das deutsche Volk, dass es deshalb die von der Natur zwischen uns beiden [nämlich Italien und Deutschland] aufgerichtete Alpengrenze für immer als eine unantastbare ansieht.“17 Diesem Grundsatz folgend, wurde zwischen Italien und Deutschland am 21. Oktober 1939 ein Abkommen vereinbart mit dem „Ziel, eine endgültige und vollständige völkische Lösung“ zu erreichen, sodass es „eine Frage der ethnischen Minderheit im Alto Adige [Südtirol] nicht mehr gibt“, wie es in den amtlichen „Erläuterungen zu den Richtlinien für die Rück- und Abwanderung nach Deutschland“ vom November 1939 hieß.18 Unter dem Begriff „Südtirol“ wurde auch das Kanaltal subsummiert, wie aus den im Oktober 1939 veröffentlichten Rückwanderungsrichtlinien ersichtlich ist.19 Man gab den Menschen nun knappe drei Monate Zeit, ihr „Recht auf Option“, wie es landläufig hieß,20 wahrzunehmen,21 also zu wählen, ob man die Heimat verlassen oder in Italien assimiliert werden möchte.
Im Jänner 1940 meldete die deutsche Presse, dass in der Provinz Udine, also im Kanaltal,22 „von 5.603 zur Option Zugelassenen 4.576 für Deutschland optiert [haben], 337 für Italien, während 690, die keine Erklärung unterzeichneten, Italiener geblieben sind“.23 Unter den 4.576 für Deutschland Optierenden befanden sich 2.072 Slowenen, wie sich aus einem Telegramm der Präfektur Udine erschließt,24 die in Kärnten in den rein deutschsprachigen Räumen Sankt Veit an der Glan und Wolfsberg angesiedelt werden sollten.25 Als die ersten Aussiedler in Kärnten eintrafen, rief ihnen der stellvertretende Gauleiter Franz Kutschera (1904 – 1944), wie die Kärntner Volkszeitung berichtete, hinsichtlich ihrer Aussiedlung zu: „Sie werden diesen [schweren] Weg gern gehen, weil es der Befehl unseres geliebten Führers ist“.26
Im April 1940 meldete die Alpenländische Rundschau, dass „von der gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft der Deutschen Arbeitsfront [Nationalsozialistische Einheitsgewerkschaft] ‚Neue Heimat‘ […] im Gau Kärnten zurzeit 1.500 Volkswohnungen errichtet“ werden, die für Südtiroler, „aber in erster Linie für die Kanaltaler gedacht“ seien.27 Der Wohnbau für die Südtiroler erklärt sich daraus, dass Osttirol seit Oktober 1938 zu Kärnten gehörte,28 und man zunächst plante, die Grödner Ladiner dort geschlossen anzusiedeln.29 Mit der Eroberung Jugoslawiens im April 1941 wurden das Mießtal und Oberkrain ein Teil Kärntens,30 wobei in der Oberkrain auch Kanaltaler angesiedelt wurden.31 Im September 1943 wurde das Kanaltal von deutschen Truppen erobert und kam unter deutsche Verwaltung.32 Dies stoppte die Umsiedlung, wobei im Juni 1943 noch 1.650 Personen aus dem Kanaltal auf ihre Umsiedlung gewartet hatten.33 Im Oktober 1943 meldete man schließlich aus Kärnten an das Hauptamt für Statistik, dass man in Kärnten 3.917 Kanaltaler und 2.341 Südtiroler angesiedelt habe.34
Am 8. Mai 1945 kapitulierte das Deutsch Reich und die Herrschaft der Nationalsozialisten war beendet. Am 27. August 1945 meldete man aus Tarvis der Kärntner Landesregierung, dass im Kanaltal 4.299 italienisch-, 1.531 slowenisch- und 777 deutschsprachige Menschen lebten.35
1948 erhielten die Ausgesiedelten die Möglichkeit, nach Italien zurückzukehren und die italienische Staatsbürgerschaft zu erhalten,36 aber nur wenige nahmen das Angebot an. Die Historikerin Guida Noto kam in ihrer Darstellung zur Kanaltaler Option zu dem Schluss, dass die Zahl der Rückkehrer nach dem derzeitigen Stand der Forschung „irgendwo zwischen 20 und 200 Personen“ gelegen sei.37
Die Gründe für die Nichtrückkehr sah Noto
- erstens darin, dass sich die Kanaltaler Bevölkerung als Kärntnerinnen und Kärntner sahen, wodurch „die Ansiedlung in Kärnten […] ein Trauma durch die Zwangsumsiedlung wahrscheinlich“ verhinderte.
- Zweitens nahm der „wirtschaftlich benachteiligte Teil der Bevölkerung im Kanaltal nach seiner Ankunft in Kärnten eine Verbesserung der Lebensbedingungen“ wahr.
- Drittens spielte „jedenfalls das Fehlen eines Autonomiestatus des Kanaltals [im Gegensatz zu Südtirol] und die Missachtung der Anliegen der Minderheit [durch Italien] […] eine Rolle, dass die Optanten von der Rückkehr in ihre ehemaligen Gemeinden abgehalten wurden“.38
So blieben wohl auch die meisten Mitglieder der 32 in der Kanaltaler-Siedlung in Althofen angesiedelten Kanaltalerfamilien hier.
Günther Jannach (Dezember 2025)
Anmerkungen
1: Alpenländische Rundschau 10. August 1940, S. 6.
2: Krappinger 1968, S. 131.
3: Schumy 1920, S. 309 f.
4: Schumy 1920, S. 5. Am 10. März 1920 wurde nach Wutte 1922, S. 140 der Kärntner Heimatdienst gegründet, wobei „durch die Wahl des Landesrates Vinzenz Schumy zum Vorsitzenden […] die notwendige Verbindung zur Landesregierung und zum Landesrate geschaffen“ wurde.
5: So war laut PA ORF 2020 der Name der ORF-Dokumentation zum 100-Jahr-Jubiläum „Frei und ungeteilt – 100 Jahre Kärntner Abwehrkampf und Volksabstimmung“. „Kärnten frei und ungeteilt“ war aber auch der Titel des vom Verband für Kultur- und Heimatpflege Kärntens herausgegebenen Buches zur Landesfeier 1960 und 1970.
6: Daten nach Wutte 1922, Schluss.
7: Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye vom 10. September 1919, II. T., Art. 27.
8: Schon im April 1918 schwebte Aichelburg-Labia 1918, S. 2, dem damaligen Landeshauptmann von Kärnten, „das bedrängte Schicksal der größtenteils deutsch bevölkerten Gemeinde Weißenfels in Krain vor Augen, deren wir Kärntner uns durch Anstreben einer Landesgrenzrichtigstellung annehmen könnten, wogegen ein Verzicht auf die vollständig slawische Gemeinde Seeland geboten erscheinen könnte“. Diese vorgeschlagene Eingliederung Weißenfels nach Kärnten bei gleichzeitiger Ausgliederung Seelands nach Krain erfolgte schließlich im November 1918. Denn, wie die Zeitung Freie Stimmen, 19. November 1918, S. 2 berichtete, gehörte „nach dem Beschluss der Deutschen Nationalversammlung in Wien [...] Kärnten mit Ausnähme der Gemeinde Seeland im Gerichtsbezirke Eisenkappel und Einbeziehung von Weißenfels in Krain zu Deutschösterreich“.
9: Daten nach Haller 1970, S. 493.
10: Kovatsch 1917, S. 1.
11: Kärntner Landbote 10. Juli 1915, S. 5.
12: Kärntner Zeitung 3. November 1917, S. 3.
13: Kärntner Zeitung 18. August 1918, S. 2. Die Freien Stimmen 11- November 1917, S. 9 berichteten über den Zustand des Kanaltals wie folgt: „Die Stadt Tarvis hat verhältnismäßig geringen Schaden aufzuweisen, nur ein Teil der oberen Stadt gleicht einem Trümmerhaufen. Der nächste Ort, Saifnitz, hat auch weniger gelitten, während Uggowitz und Malborgeth zur guten Hälfte verwüstet wurden. Der von Saifnitz aus erreichbare Wallfahrtsort Luschari samt der Kirche ist gänzlich dem Erdboden gleichgemacht; desgleichen Wolfsbach und St. Kathrein, die beiden Schwefelbäder Lußnitz und der ganze Ort Lußnitz, von dem nur die Kirche zum Teil erhalten blieb. Leopoldskirchen ist zu ¾ des Ortes vernichtet, darunter auch die Kirche, welche gänzlich abgebrannt ist. Den größten Schaden weist jedoch der Ort Pontafel aus, der bis auf einige wenige Häuser vollständig zerstört ist.“
14: Vgl. Haller 1970, S. 494.
15: Nach Haller 1970, S. 493 waren 1921 unter den 8.419 Einwohnern bereits 1.207 Italiener, 1934 unter den 9.548 Einwohnern 3.033.
16: Freie Stimmen, 16. Mai 1926, S. 5.
17: Kärntner Zeitung, 10. Mai 1938, S. 1.
18: Erläuterungen Rückwanderungsrichtlinien 1939.
19: Die Option konnte laut Rückwanderungsrichtlinien 1939, Ziffer 2 auf „das gemischtsprachige Gebiet von Tarvisio (Provinz Udine)“ angewandt werden.
20: So sprach das Salzburger Volksblatt, 11. Jänner 1940, S. 1 vom “Recht der Option”, und dass “185.000 Deutsche […] für das Reich optiert“ haben.
21: Am 22. Oktober 1939 gab die deutsche Presse das am Vortag beschlossene deutsch-italienische Abkommen bekannt, das bestimmte, wie es der Völkischer Beobachter, 22. Oktober 1939, S. 2 formulierte, dass „bis 31. Dezember 1939 alle in Südtirol wohnhaften oder aus diesem Gebiet stammenden Volksdeutschen frei und unbeeinflusst eine Erklärung abgeben [sollen], ob sie im Königreich Italien verbleiben und die italienische Staatsangehörigkeit behalten oder ob sie die deutsche Reichsangehörigkeit annehmen und in das Deutsche Reich übersiedeln wollen“, wobei „diese Erklärung […] endgültig und verbindlich“ sei.
22: Im Abkommen vom 21. Oktober 1939 wurden, so Latour 1962, Anhang I, für die Provinz Udine die Gemeinden Tarvis, zu der auch der Ort Weißenfels gehörte, Malborgeth und Pontafel einbezogen.
23: Salzburger Volksblatt, 11. Jänner 1940. S. 1.
24: Wedekind 2009, S. 87, Anm. 46.
25: Für die Kanaltaler Slowenen wurde, so Wedekind 2009, S. 87, „schließlich in Kärnten die grenzferneren Räume Sankt Veit an der Glan und Wolfsberg in Aussicht genommen“.
26: Kärntner Volkszeitung und Heimatblatt, 17. Feber 1940, S. 4.
27: Alpenländische Rundschau 6. April 1940, S. 7.
28: Per Dt. RGBl, Nr. 158, 1. Oktober 1938 fiel „der Verwaltungsbezirk Lienz des ehemals österreichischen Landes Tirol […] an das ehemals österreichische Land Kärnten“.
29: Nach Wedekind 2009, S. 86 hatte sich aber eine geschlossene Ansiedlung der Grödner Ladiner in Osttirol „aufgrund unzureichender Siedlungsflächen als undurchführbar erwiesen“, weshalb man Mitte 1940 beschloss, sie „nicht mehr allein in Osttirol, sondern auch in den Unterkärntner Kreisen Feldkirchen, Sankt Veit an der Glan, Völkermarkt und Wolfsberg“ ansiedeln zu wollen.
30: Gemäß Führererlass vom 14. April 1941 führte „als Chef der Zivilverwaltung in den besetzten ehemals österreichischen Gebieten Kärntens und der Krain nach Maßgabe näherer Abgrenzung der stellvertretende Gauleiter [von Kärnten] Kutschera die Verwaltung im zivilen Bereich“. Per Knt. LGBl., Amtsblatt Besetzte Gebiete, Nr. 33, 4. März 1942 war „in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains […] für den Bereich der Landkreise Radmannsdorf, Krainburg und Stein von jetzt ab als Landschaftsbezeichnung ‚Oberkrain‘ zu verwenden, für die von den Landkreisen Völkermarkt und Wolfsberg betreuten Teile des besetzten Gebietes […] die Landschaftsbezeichnung Mießtal“. Dass das Kärntner Landesgesetzblatt auf Oberkrain und das Mießtal Anwendung fand, zeigt, dass die Gebiete Kärnten angeschlossen wurden.
31: Nach Wedekind 2009, S. 93 waren in Oberkrain „bis Anfang Mai 1943 etwa 1.200 Umsiedler ‚angesetzt‘ worden – überwiegend Deutsche aus dem Raum Laibach (Ljubljana), daneben aber auch Kanaltaler und Südtiroler.“
32: Vgl. Noto 2024, 305.
33: Nach Wedekind 2009, S. 93 führte die deutsche Auswanderungsstelle in Tarvis Mitte Juli 1943 „noch 1.650 Personen in ihren Karteien, die im Kanaltal auf ihre Umsiedlung warteten“.
34: Nach Wedekind 2009, S. 93 meldete man aus Kärnten im Oktober 1943 „dem RKF-Hauptamt [Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums] für Statistik die Unterbringung von 3.917 Kanaltalern und 2.341 Südtirolern (der Mehrheit nach vermutlich Grödner)“.
35: Noto 2024, S. 305.
36: Vgl. Noto 2024, S. 313 f.
37: Noto 2024, S. 314.
38: Noto 2024, S. 315.
Quellen und Literatur
Aichelburg-Labia 1918 = Aichelburg-Labia, L.: Betrachtungen über die südslawische Frage. In: Freie Stimmen 7. April 1918, S. 2 f.
Alpenländische Rundschau = Alpenländische Rundschau, Klagenfurt 1923 bis 1944.
Dt. RGBl = Deutsches Reichsgesetzblatt, Berlin 1867 – 1945.
Erläuterungen Rückwanderungsrichtlinien 1939 = Erläuterungen zu den Richtlinien für die Rück- und Abwanderung nach Deutschland, Bozen 17. November 1939 = Latour 1962, Anhang III, 156 - 158.
Freie Stimmen = Freie Stimmen – Organ der Fortschrittspartei in Kärnten, Klagenfurt 1881 – 1938.
Führererlass v. 14. April 1941 = Erlass des Führers über die die vorläufige Verwaltung in den besetzten ehemals österreichischen Gebieten Kärntens und der Krain, 14. April 1941.
Haller 1970 = Haller, W.: Gedenken an das Kanaltal. In: Carinthia I, 509 – 535.
Kärntner Landbote = Kärntner Landbote – Ein katholisches Wochenblatt für das Volk Kärntens, Klagenfurt 1894 – 1914.
Kärntner Volkszeitung und Heimatblatt = Kärntner Volkszeitung und Heimatblatt, Villach 1930 bis 1945.
Kärntner Zeitung = Kärntner Zeitung – Verlag St. Josefs-Verein, Klagenfurt 1894 – 1905.
Knt. LGBl. = Landesgesetzblatt für Kärnten, Klagenfurt 1850 ff.
Kovatsch 1917 = Kovatsch, T.: Kriegsbilder aus dem Kanaltale. In: Freie Stimmen, 12. Dezember 1917, 1f.
Krappinger 1968 = Krappinger, H.: Zur Raumplanung und städtebaulichen Entwicklung in der Marktgemeinde Althofen. In: In: Marktgemeinde Althofen (Hg.): Siebenhundert Jahre Markt Althofen, Althofen 1968, S. 119 – 167.
Latour 1962 = Latour, C.: Südtirol und die Achse Berlin – Rom 1938 – 1945, Stuttgart 1962.
PA ORF 2020 = Presseaussendung ORF, OTS0110, 2. Oktober 2020.
Rückwanderungsrichtlinien 1939 = Die Richtlinien für die Rückwanderung der Reichsdeutschen und Abwanderung der Volksdeutschen aus Südtirol in das Deutsche Reich, Rom 21. Oktober 1939 = Latour 1962, Anhang II, 149 – 155.
Noto 2024 = Noto, G.: Return Migration in Kanaltal. Valcanale/ Kanaltal/Kanalska Dolina 1939–1950. In: Oberbichler, S. (Hg.): Return and Circular Migration in Contemporary European History, Berlin / Boston 2024, 295 – 318.
Salzburger Volksblatt = Salzburger Volksblatt, Salzburg 1871 – 1942.
Schumy 1950 = Schumy, V.: Kampf um Kärntens Einheit und Freiheit, Wien 1950.
Wedekind 2009 = Wedekind, M.: Planung und Gewalt - Raumordnung und Bevölkerungsplanung im Kontext der Umsiedlung Südtirol. In: Wedekind, M. / Rodogno, D. (Hg.): Geschichte und Region / Storia E Regione, H. 2, Insbruck et al. 2009, 71–109.
Wutte 1922 = Wutte, M.: Kärntens Freiheitskampf, Klagenfurt 1922.