Stadtarchiv Althofen

Hornturm im Oberen Markt in Althofen

Ausgewählte Archivalien und kleine Beiträge

Seit 1976 sorgen sich die Kalvarienbergfreunde, heute unter Alexander Krasznitzer, um die Instandhaltung und nötigenfalls Restaurierung von Baudenkmälern um den Althofener Kalvarienberg unter Aufbringung unzähliger freiwilliger Arbeitsstunden.1 Als sie 1979 an die Renovierung der Kreuzwegstationen gingen,2 entstanden Fotos, die die ursprünglichen Bilder der Stationen zeigen und im Stadtarchiv als Sammlung Kalvarienbergfreunde inventarisiert sind.

 

Kreuzweg in Althofen
Kreuzwegstation mit ursprünglichen Bild von 1833 [Quelle: Stadtarchiv Althofen: Sammlung Kalvarienbergfreunde]

 

1833 hatte der Pfarrer von Althofen an Dechant Rosegger gemeldet, dass „die um den Kalvarienberg von Althofen ganz neu angelegten Kreuzwegstationen nun gänzlich vollendet“ seien, wie aus einem Schreiben Roseggers an das bischöfliche Ordinariat hervorgeht. In diesem Schreiben hielt Rosegger auch fest, dass „die bildlichen Vorstellungen und Gemälde desselben gut ausgeführt sind und nichts Anstößiges […] zeigen“, und er stellte „daher die Bitte, dass die Erlaubnis zur Einweihung“ für den 14. November 1833 erteilt werde.3 Dieser Kreuzweg hatte einen hölzernen Vorläufer, da in einer Rechnung von 1713 erwähnt wird, dass zwei durch Fäulnis umgestürzte Kreuzwegsäulen erneuert werden mussten.4

 

1859 belegt ein Schreiben des bischöflichen Ordinariats, das Balthasar Zechner (1815 – 1858), vulgo Scheurer am Muraniberg,5 „bei Lebzeiten seinen Wunsch nach Herstellung des Kreuzweges ausgesprochen und in seiner letztwilligen Anordnung der Kalvarienbergkirche eine Summe von 300 Gulden“ vermacht hatte.6 Weiter heißt es dort, dass die „Kreuzwegstationsbilder […] von dem Maler Primus Haberl über Veranlassung der Kirchenvorstehung […] hergestellt worden“ sind.7 Nun bot der Historienmaler Primus Haberl (1815/16 – 1883)8 aus Klagenfurt nebst „aller Arten von Vergoldungen und Malereien“ auch die „Verfertigung von Freskogemälden, Öl- und Aquarellmalereien und deren Renovierung“ an, wie er in einer seiner Anzeigen schrieb.9 Und auch wenn Pfarrer Kochgruber 1889 schrieb, dass die Kreuzwegbilder von „Haberl gemalt worden sind“,10 dürfte Haberl sie wohl nur restauriert haben, denn das Wort Herstellung in „Herstellung des Kreuzweges“ im Schreiben von 185911 wurde jedenfalls im Sinne einer Restaurierung und nicht Errichtung verwendet, da es den Kreuzweg ja schon gab. Und so darf man wohl annehmen, dass, wenn derselbe Verfasser schrieb, die Bilder seien von Haberl „hergestellt worden“, er an eine Restaurierung dachte. Haberls Arbeit war jedenfalls 1859 bereits abgeschlossen, da Dechant Münichsdorfer dem bischöflichen Ordinariat in jenem Jahr mitteilte, dass „am 14. September [1859], als[o] am Kreuzerhöhungsfest, die Einweihung der Kreuzwegstationen am Kalvarienberg zu Althofen […] vorgenommen wurde“.12

 

Nun waren die Bilder seinerzeit direkt „an die Häuser gemalt“ worden, weshalb sie „unter dem Einfluss der Witterung, noch mehr aber durch boshafte Beschädigungen […] defect und indecent [unschicklich]“ geworden waren, wie Pfarrer Kochgruber im Jahr 1889 berichtete.13 Und so entschloss man sich im Sommer 1888, den Kunstmaler Franz Blaznik zu beauftragen, 14 neue Bilder „auf Eisenblech nach dem berühmten Meister Führich“ zu malen. Bilder nach Josef Führich malen zu lassen, war für die Zeit nichts Außergewöhnliches. Denn dessen in den 1840ern geschaffenen großen Kreuzwegfresken in der Johann-Nepomuk-Kirche in Wien fanden nach Rittinger als Druck rasch weite Verbreitung und ließen seinen Kreuzweg „zu einem der meistkopierten Kreuzwege überhaupt werden“.14 Die neuen Bilder am Kalvarienberg wurden „am schmerzhaften Freitag, [Freitag vor Palmsonntag] den 12. April 1889 unter strömendem Regen“ eingeweiht, wie Pfarrer Kochgruber seinen Bericht abschließt.15

 

1938 wurden die Kreuzwegstationen erneut renoviert und am 7. August eingeweiht, wie Pfarrer Reinsberger festhielt.16

 

Die heutigen Bilder, die in den Nischen der Kreuzwegstationen angebracht sind, schuf 1983 Consuelo Mels-Colloredo (1924 – 1985),17 „akademischer Maler und Bildhauer“, wie ihn sein Grabstein in St. Donat nennt, der neben Plastiken nach Gschwandner-Elkins zusammen mit seiner Frau geschätzt auch an die 80 Bildstöcke gestaltete.18 Eingeweiht wurden die neuen Bilder nach Gaggl im Herbst 1984.19

 

Günther Jannach, August 2022

 

Erratum: Die Eisenblechbilder wurden 1889 eingeweiht. (Günther Jannach, Feber 2023)

Zusatz: Der Kreuzweg wurde bereits 1833 errichtet, die Bilder von Primus Haberl 1859 restauriert. (Günther Jannach, Juli 2023)


Anmerkungen:
1: Stadtmagazin 2021, S. 8.
2: Feichter 1979.
3: Rosegger 1833.
4: Rechnungen Pfarrkirche St. Thomas, S. 67/16 = fol. 75 – 81. Da dieser Kreuzweg bereits 1713 morsch war, mag er bereits gemeinsam mit der Kalvarienbergkapelle errichtet worden sein, die nach Fresacher et al. 1958, S. 137 im Jahr 1691 erstmals erwähnt wurde, und für die nach Neubauer-Kienzl 2000, S. 50 im Jahr 1685 die Anfertigung der zentralen Kreuzigungsgruppe in Auftrag gegeben worden war.
5: Geburtsbuch Althofen IV, f. 21v; Sterbbuch Althofen V, S. 216.
6: Schreiben des Ordinariats von 1859. 300 Gulden entsprechen laut Historischer Währungsrechner im August 2022 etwa 4.500 Euro.
7: Schreiben des Ordinariats von 1859.
8: Sterbbuch Klagenfurt Dom XI, f. 79.
9: Klagenfurter Zeitung vom 2. Juni 1855, S. 8. Haberl schuf wohl als bekanntestes Werk wohl den laut Dehio 2001, S. 997 zwölf Meter hohen Christophorus an der Paulitschfelswand in Vellach im Jahr 1861.
10: Kochgruber 1899, S. 36.
11: Hersteller bezeichnete im 19. Jahrhundert anfangs auch Restaurator, wie Pfeifer et al. 1993, s. v. herstellen darlegten.
12: Münichsdorfer 1859.
13: Kochgruber 1889, S. 36.
14: Rittinger 1979, S. 174 f. u. 193 f.
15: Kochgruber 1899, S. 36.
16: Reinsberger 1938, S. 268.
17: Gschwandner-Elkins 2011, S. 33.
18: Gschwandner-Elkins 2011, S. 32.
19: Gaggl 1986.
20: Datierung nach persönlicher Mitteilung von Alois Gaggl an Günther Jannach im Jahr 2022.

 

Quellen und Literatur
Dehio 2001 = Bacher, E. et al.: Dehio – Handbuch Kärnten, Wien 2001.
Feichter 1979 = Brief von A. Feichter an die Freunde des Kalvarienberges, 20. September 1979 = Stadtarchiv Althofen: Ka Div.
Fresacher et al. 1958 = Fresacher, W. et al.: Erläuterungen zum historischen Atlas, Klagenfurt 1958.
Gaggl 1986 = Gaggl, A.: Unveröffentlichter Kirchenführer. In: Stadtarchiv Althofen: Digital, Althofen 1986 = Stadtarchiv Althofen: Digital.
Geburtsbuch Althofen IV = Geburtsbuch der Pfarre Althofen, V, Althofen 1829.
Gschwandner-Elkins 2011 = Gschwandner-Elkins, M.: Kulturelle Spurensuche. In: Kulturspiegel Sonderausgabe, Klagenfurt 2011, 30 – 33.
Historischer Währungsrechner = Seite Historischer Währungsrechner. In: Eurologisch – Finanzbildung durch die Oesterreichische Nationalbank (www.eurologisch.at), URL: https://www.eurologisch.at/docroot/waehrungsrechner, abgerufen Juni 2022.
Rechnungen Pfarrkirche St. Thomas = Stadtarchiv Althofen: Regesten zum Marktarchiv Althofen von Elfriede Amberger, Mappe 16 = Kärntner Landesarchiv: Markt Althofen – Rechnungen Pfarrkirche St. Thomas, Nr. 67.
Klagenfurter Zeitung = Klagenfurter Zeitung, Klagenfurt 1784 – 1951.
Kochgruber 1889 = Kochgruber, G.: Heilige Kreuzwegstationen 1889. In Pfarrchronik Althofen = Archiv der Diözese Gurk: Pfarre Althofen – liber memorialis, Hs. 75, S. 36.
Münichsdorfer 1859 = Schreiben des Hieronymus Münichsdorfer an das bischöfliche Ordinariat vom 16. September 1859 = Archiv der Diözese Gurk: APA Althofen, X/Kalvarienberg.
Neubauer-Kienzl 2000 = Neubauer-Kienzl, B.: Plastik. In: Deuer, W. et al.: Barock in Kärnten, Klagenfurt 2000, S. 31 – 105.
Pfeifer et al. 1993 = Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Berlin 1993.
Reinsberger 1938 = Reinsberger, V.: 1938. In Pfarrchronik Althofen = Archiv der Diözese Gurk: Pfarre Althofen – liber memorialis, Hs. 75, S. 268 f.
Rittinger 1979 = Rittinger, B.: Führichs Wiener Kreuzweg. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, 42, 2/3, Berlin 1979, 166 – 194.
Rosegger 1833 = Schreiben des Vinzenz Rosegger an das bischöfliche Ordinariat vom 3. September 1833 = Archiv der Diözese Gurk: APA Althofen, X/Kalvarienberg.
Schreiben des Ordinariats von 1859 = Schreiben des bischöflichen Ordinariats vom 15. Juli 1859 an die k. k. Landesregierung, Nr. 1331 = Archiv der Diözese Gurk: APA Althofen, X/Kalvarienberg.
Stadtmagazin 2021 = Kalvarienbergfreunde feierten das 45-Jahr-Jubiläum. In: Stadtgemeinde Althofen (Hg.): Stadtmagazin Althofen, Nr. 22, Althofen 2021.
Sterbbuch Althofen V = Sterbbuch der Pfarre Althofen, V, Althofen 1874.
Sterbbuch Klagenfurt Dom XI = Sterbbuch Klagenfurt Dom XI, Klagenfurt 1894.

Buchveröffentlichung

 

Im Oktober 2023 veröffentlichten wir unsere ersten zwölf Blogs als 62 Seiten starkes Buch „Matucaium – Beiträge des Stadtarchivs Althofen zur Geschichte Althofens“ beim Verlag Ploder, erhältich um 20 Euro bei Buch-Papier-Basteln-Spielwaren Schöffmann in der Kreuzstraße 24, 9330 Althofen oder bei Günther Jannach unter gjannach@edu.aau.ac.at.

Buchreihe Matucaium

Gnomenbrunnen am Salzburger Platz

Über uns

 

Seit 2008 macht es sich der gemeinnützige Verein Stadtarchiv Althofen zur Aufgabe, die noch erhaltenen Dokumente zur Geschichte der Stadtgemeinde Althofen zu sammeln, zu ordnen, zu digitalisieren und auf diese Weise zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Stadtarchiv Althofen steht zudem der Bevölkerung als Anlaufstelle für historische und familiengeschichtliche Fragen zur Verfügung.
Getragen und unterstützt wird der Verein von Mitgliedern, ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Stadtgemeinde Althofen.

Kontakt

 

Stadtarchiv Althofen

Salzburger Platz 6

9330 Althofen

 

Obfrau Inge Lebl

albert.lebl@chello.at

Kalvarienbergkirche

Impressum

Medieninhaber

Stadtarchiv Althofen 
Sitz: Salzburgerplatz 6, 9330 Althofen
Zustellanschrift: Güpferlingstraße 33/10, 1170 Wien 
ZVR: 844592267

Obfrau: Inge Lebl
Kontakt: albert.lebl@chello.at

Blattlinie
Das Stadtarchiv Althofen ist überparteilich, überkonfessionell und unabhängig. Es verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke. Das Medium dient zur Information über Tätigkeiten des Vereins und über die Geschichte der Stadtgemeinde Althofen für die interessierte Öffentlichkeit. 

Vereinszweck

Vereinszweck ist, die noch erhaltenen Dokumente zur Geschichte der Stadtgemeinde Althofen zu sammeln, zu ordnen, zu digitalisieren und auf diese Weise zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Datenschutzerklärung

 

In dieser Datenschutzerklärung informieren wir über den Umgang mit personenbezogenen Daten beim Besuch der Seite https://stadtarchiv-althofen.at/. Die Seite ist ident mit https://www.stadtarchiv-althofen.at/.

 

Datenschutzverantwortliche
Inge Lebl
Güpferlingstraße 33/10
1170 Wien 
E-Mail: albert.lebl@chello.at

 

Hosting Anbieter
Die Seite https://stadtarchiv-althofen.at/ wird bei folgendem Anbieter gehostet:
domaintechnik.at / Ledl.net GmbH
Lederergasse 6, 5204 Straßwalchen
UID: ATU 61529037

Die Datenschutzerklärung des Hosting Anbieters finden Sie hier.

 

Personenbezogene Daten
Personenbezogene Daten werden von der Seite https://stadtarchiv-althofen.at/ weder erfasst noch verarbeitet noch gespeichert.

 

Hosting Anbieter Server-Logdateien
Die in den Server-Logdateien des Hosting Anbieters (also in den Aufzeichnungen des Seitenbesuches des Besuchers beim Hosting Anbieter) gespeicherten Informationen erlauben laut Datenschutzerklärung des Hosting Anbieters (aufgerufen am 4. August 2022) „keinen Rückschluss auf einen bestimmten Besucher oder eine bestimmte Person“, und es findet „keine Verarbeitung personenbezogener Daten im Sinne der EU DSGVO statt.“

 

Cookies
Die Seite https://stadtarchiv-althofen.at/ verwendet nur das zustimmungsfreie Cookie PHPSESSID, das keine Benutzerdaten speichert, sondern einer Sitzung (Session) einen Hashwert (also einen Funktionswert, dessen Eingangswert nicht wieder berechnet werden kann) zuweist. Jeder Besucher der Seite https://stadtarchiv-althofen.at/ kann zudem das Speichern von Cookies auf seinem Browser deaktivieren.

 

Web Analyse Tools
Der Hosting Anbieter verwendet laut seiner Datenschutzerklärung (aufgerufen am 4. August 2022) die Open Source Webanalyse Software Matomo, wobei die „Speicherung der datenschutzfreundlich anonymisierten, personenbezogenen Daten“ der Besucher und Nutzer „nur auf eigenen Systemen“ in Österreich stattfindet, und die „Identifizierung eines einzelnen Nutzers oder dessen Verhalten […] auf Basis der gesammelten Daten nicht möglich“ ist.

 

e-Mail
Wenn Sie per e-Mail mit uns in Kontakt treten, werden ihre personenbezogenen Daten höchstens sechs Monate zum Zweck der Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen gespeichert. Diese Daten geben wir nicht ohne Ihre Einwilligung weiter.

 

Rechte und Kontaktmöglichkeiten zu Fragen zur Datenschutzerklärung
Als von Datenverarbeitung Betroffener haben Sie laut EU DSGVO die Rechte auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenübertragbarkeit, Widerruf und Widerspruch hinsichtlich ihrer gespeicherten Daten. Wenn Sie annehmen, die Verarbeitung Ihrer Daten verstößt gegen das Datenschutzrecht, wenden Sie sich bitte an die oben erwähnte Datenschutzverantwortliche oder die Datenschutzbehörde.