Im September 1954 berichtete die Zeitung Neue Zeit unter dem Titel „Heldenehrung und Denkmalenthüllung in Althofen“, dass der damalige Bürgermeister Elias Knees (1946-1964)1 die sogenannte „Helden-Gedächtniskappelle“ am Friedhof in Untermarkt enthüllte, wobei er „versicherte, dass die Toten beider Weltkriege und des Kärntner Abwehrkampfes durch die Errichtung dieses Mahnmales einen dauernden Ehrenplatz in unserer Mitte erhalten haben“. Knees „appellierte aber auch“, so die Zeitung weiter, „an sämtliche Anwesenden, alles daranzusetzen, um den Frieden zu erhalten, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die schwergeprüfte Menschheit von den Schrecken und Leiden eines Krieges verschont bleiben möchte.“2

Kriegerdenkmal von Althofen aus dem Jahr 1954 [Quelle: Stadtarchiv Althofen: Dig. Slg. R. Pichler, altes Kriegerdenkmal.jpg]
Seit dem Jahr 1921 geplant, scheiterte die Errichtung eines Denkmals in Althofen immer wieder daran, wie die Neue Zeit berichtete, dass „über die Platzfrage nie eine Einigung erzielt werden konnte“.3 Die Platzfrage war auch vier Monate vor der Einweihung nicht geklärt, denn noch standen der Karner am Friedhof, der Schloßplatz bei der Pfarrkirche und der Lorberkogel in engerer Auswahl.4 Im Juli einigten sich der örtliche Kriegsopferverband, der Verschönerungsverein und die Gemeinde schließlich darauf, „die bereits bestehende Kapelle im Friedhof Untermarkt“ zu einem Kriegerdenkmal umzubauen, wie die Neue Zeit berichtete.5 Diese Kapelle ist bereits auf einer Katasterkarte aus dem Jahr 1829 bezeugt,6 wurde später abgerissen, sodass man heute nur noch deren Grundfläche neben dem Grab der Anna Grobecker findet.

Kriegerdenkmal von Althofen aus dem Jahr 1954, am Bild ist die Rückseite der Kapelle oberhalb des Karners zu sehen (vor 1975) [Quelle: Stadtarchiv Althofen: Dig. Slg. R. Pichler, 71 Untermarkt vom Friedhof aus.jpg; Datierung: vor 1975, da das Kurbad noch nicht zu sehen ist]
Das man überhaupt Denkmäler für gefallene, einfache Soldaten zu errichten begann, hing mit der Einrichtung von Bürgerheeren in der Französischen Revolution und der Entstehung des Nationalismus zusammen. Denn „mit der Französischen Revolution entwickelte sich erstmals ein politischer Totenkult, der […] den Soldatentod in eine nationale Aufgabe umdeutete“, wobei „die Revolutionäre Frankreichs die Forderung erhoben, man solle auf Denkmälern jedes gefallenen […] Soldaten als Freiheitskämpfer einzeln gedenken“, wie der Historiker Hubert Mader (*1955) darlegte.7 Mit dem Ersten Weltkrieg setzte sich dieses Soldatenbild endgültig durch. Denn von nun an wurde „jeder einzelne Soldat, ungeachtet von Stand und Rang, […] denkmalswürdig“, so Mader, wobei alle „gefallenen Soldaten den Heldenstatus“ erhielten.8
Diese Einstellung kann man auch in Althofen beobachten. Im Oktober 1914 berichtet die Kärntner Zeitung unter dem Titel „Heldentod“ über „auf dem Feld der Ehre gefallen Helden“ aus Althofen, wobei sie in Bezug auf den Gefallenen Franz Zechner (1892 – 1914) darauf hinwies, dass, „so traurig die Nachricht für seine Angehörige und Freunde war, so stolz kann die Gemeinde auf den Helden aus ihrer Mitte hinblicken“, der sein Leben „für Gott, Kaiser und Vaterland mutig hingegeben“ hat.9 Für den im Dezember 1943 gefallenen Wilhelm Matl (1915 – 1943) ließ die Familie im Nachruf verlautbaren, dass er „im Alter von 28 Jahren den Heldentod“ fand, wodurch „ein grenzenlos ideales Kämpferleben […] seine Krönung gefunden“ habe.10
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs beschlossen in Österreich, so der Historiker Mader, „fast alle Gemeinden, die Gefallenen aus ihrer Mitte durch Gedenkstätten der Vergessenheit zu entreißen“, wobei private Vereine eine tragende Rolle in der Finanzierung spielten, „da die finanziellen Belastungen für die kleinen Gemeinden durchwegs zu hoch waren“.11 Auch in Althofen gab es ein Komitee, genannt „Kriegerdenkmal-Festausschuss“, das sich vor dem Krieg – allerdings vergebens - für die „Errichtung eines Kriegerdenkmales in Althofen“ einsetzte, wie 1932 die Kärntner Volkszeitung berichtete.12 In der Nachbarschaft Althofens wurden in der Zwischenkriegszeit allerdings einige Denkmäler errichte, so am 26. August 1923 wurde in St. Georgen bei Straßburg,13 am 29. Juni 1928 in Guttaring,14 am 26. Oktober 1930 in Micheldorf,15 oder am 18. August 1935 in Friesach.16
Als 1954 schließlich das Kriegerdenkmal in Althofen errichtet wurde, erhielt es die Aufschrift „Ehre den Helden“, wie ein Foto zeigt.17 Nun bewirkten aber „die äußerst tragischen und leidvollen Erfahrungen“ aus dem Zweiten Weltkrieg, wie Mader zusammenfasste, damals „in allen gesellschaftlichen Schichten und politischen Lagern eine Ablehnung des Krieges“, sodass nach 1945 die Toten weniger als Helden, sondern „(neutral) als ‚Gefallene‘ oder (mehr anklagend) als ‚Opfer* des Krieges“ betrachtet wurde, so Mader.18 Dieses Einstellung spiegelt sich auch im 1986 errichteten neuen Kriegerdenkmal in Althofen wider, dem der Leitspruch „Den Toten zur Erinnerung / Den Lebenden zur Mahnung“ gegeben wurde.

Kriegerdenkmal von Althofen aus dem Jahr 1986 (2026) [Quelle: Stadtarchiv Althofen]
Dies ist insofern passend, als dass am Denkmal in Althofen nicht nur den gefallenen Soldaten gedacht wird, sondern auch zivilen Opfern alliierter Bombenabgriffe. So wird an Augustine Niedermesser (1925 – 1944) bereits auf den ursprünglichen Tafeln, an Maria Kniechtl (1905 – 1944) und Mathilde Troicher (1892 – 1944) auf der Zusatztafel von 1986 erinnert. Sie waren drei von 36 Toten des Bombenangriffs vom 16. Oktober 1944 auf St. Veit / Glan, die der damalige St. Veiter Pfarrer Fiebinger auflistete.19 Strategisches Ziel der insgesamt neun Bombardierung St. Veits waren damals, so die Historiker Siegfried Beer (*1948) und Stefan Karner (*1952), die Bahnanlagen, wobei der erste Angriff „am 16. Oktober 1944 bei Tag von den Amerikanern“ geflogen wurde.20 Vier Tage nach dem Angriff berichtete Pfarrer Fiebinger in einem Schreiben an das kirchliche Ordinariat, dass „die Bomben [...] zwar längs des Bahnkörpers, aber weit weg davon“ niederfielen, und dass „die von den Bomben Getöteten und Verletzten […] alle in einen Wald geflüchtet anstatt in einen Luftschutzraum“ waren, weil es „an solch geeigneten Räumen“ fehlte.21 Dieser Wald war jener am „am Fuße des Muraunberges“, wie der Heimatforscher Walter Wohlfahrt (1932 - 2026) in seiner Darstellung des Bombenangriff darlegte;22 und die drei Althofener Frauen, die vergebens vor den Bomben in den Wald geflüchtet waren, waren wohl Mitarbeiterinnen der Raketenfabrik Liebenwein in der Schießstatt-Allee. Denn „die meisten Verletzten“ des Bombenangriffes waren „Arbeiterinnen der Raketenfabrik [Liebenwein] und Ausländer wie Italiener, Slowenen, Franzosen, Kroaten und Polen“, wie Fiebinger 1944 festhielt. Bei Augustine Niedermesser ist dies umso wahrscheinlicher, da sie als „Munitionsarbeiterin“ im Sterbbuch der Pfarrkirche bezeichnet wurde,23 und bei der Firma Liebenwein laut Angaben ihres Internetauftritts seit 1943 „kriegsbedingt […] Leucht- und Signalmunition hergestellt“ wurde.23a
Mit Herbert Greschitz (1930 – 1945) wird auch jenem Opfer gedacht, das durch alliierte Bomben, die auf den Kalvarienberg fielen, getötet wurde. Am 12. April 1944, so berichtete es Pfarrer Rausch, wurde die Papierfabrik im Pöckstein von Bombern angegriffen, wobei sieben Bomben am Kalvarienberg einschlugen, „dicht neben der Kalvarienbergkirche“, und ein Bombensplitter den 14-jährigen Jungen tötete.24
Knapp 200 Althofenerinnen und Althofenern verloren in den Kriegen des 20. Jahrhunderts ihr Leben. Ich sehe in ihnen eher die Opfer als die Helden des Krieges und hoffe, dass das Kriegerdenkmal, wie es die Inschrift zum Ausdruck bringen wollte, noch heute an diese Toten erinnert und ihr Tod daran mahnt, dass Frieden nichts Selbstverständliches ist.
Günther Jannach (Juli 2026)
Anmerkungen
1: Die Amtszeit nach Neue Zeit, 16. März 1946, S. 2 und Neue Zeit,22. März 1964, S. 4.
2: Neue Zeit, 16. September 1954, S. 4.
3: Neue Zeit, 27. Juli 1954, S. 4.
4: Die Neue Zeit, 22. Mai 1954, S. 4 berichtete, dass hinsichtlich der Standortfrage des Denkmals „die engere Wahl […] auf den Karner im Friedhof und auf den Kirchplatz am Oberen Markt“ fielen, wobei aber „die glücklichste Lösung […] der Lorberkogel“ wäre.
5: Neue Zeit, 27. Juli 1954, S. 4.
6: Franz. Kataster v. 1829 (KAGIS).
7: Mader 2008, S. 18. „In der Öffentlichkeit galten die Soldaten außerhalb des Offiziersstandes im Wesentlichen bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts noch nicht als denkmalswürdig“, so Mader 2008, S. 17 zusammenfassend.
8: Mader 2008, S. 24.
9: Kärntner Zeitung, 23. Oktober 1914, S. 6.
10: Völkischer Beobachter, 23. Jänner 1944, S. 7.
11: Mader 2008, S. 31.
12: Kärntner Volkszeitung, 2. Juli 1932, S. 10.
13: Laut Kärntner Landbote, 8. September 1923, S. 4 fand am 26. August in „St. Georgen unter Straßburg“ die „Kriegerdenkmal-Enthüllung“ statt.
14: Die Zeitung Freie Stimmen. 7. Juli 1928, S. 6 berichtete, am 29. des Vormonats von der „Enthüllung und Weihe“ des Kriegerdenkmals in Guttaring.
15: Kärntner Zeitung, 23. November 1930. S. 7 berichtete, dass „das Kriegerdenkmal in Micheldorf […] am 26. Oktober enthüllt und eingeweiht wurde.“
16: Die Zeitung Freie Stimmen. 5. September 1935, S. 6 berichtete, dass am 18. August „die feierliche Enthüllung des von der hiesigen Heimatschutzortsgruppe geschaffenen Denkmales für die Gefallenen des Weltkrieges“ stattfand.
17: Foto Kriegerdenkmal (SAA).
18: Mader 2008, S. 33.
19: Wohlfahrt 2014.
20: Beer u. Karner 1992, S. 209.
21: Fiebinger 1944.
22: Nach Wohlfahrt 2014 betrafen „die schrecklichen Ereignisse am Fuße des Muraunberges […] einheimische und fremdländische Arbeiter nicht nur der Raketenfabrik Liebenwein, sondern – wie neueste Quellen ergeben – auch solche der „Kärntner Bau Gesellschaft“.
23: lib. mort. Althofen, VII, 16. Oktober 1944.
23a: Seite Firmengeschichte Liebenwein.
24: Rausch 1945.
Quellen
Fiebinger 1944 = Fiebinger, F.: Schreiben an das Hochwürdigste Ordinariat, St.Veit 20. Oktober 1944 = Wohlfahrt 2014.
Franz. Kataster v. 1829 (KAGIS) = Franziszeischer Kataster 1829. In: KAGIS-Geoinformation Land Kärnten (https://kagis.ktn.gv), URL: https://gis.ktn.gv.at/webgisviewer/atlas-mobile/map/Basiskarten/Franziszeischer%20Kataster, abgerufen Feber 2024.
Foto Kriegerdenkmal (SAA) = Foto Kriegerdenkmal, um 1960. In: Stadtarchiv Althofen: Dig. Slg. R. Pichler, altes Kriegerdenkmal.jpg.
Freie Stimmen = Freie Stimmen – Organ der Fortschrittspartei in Kärnten, Klagenfurt 1881 – 1938.
Kärntner Landbote = Kärntner Landbote – Ein katholisches Wochenblatt für das Volk Kärntens, Klagenfurt 1894 – 1914.
Kärntner Volkszeitung = Kärntner Volkszeitung und Heimatblatt, Villach 1930 – 1945.
Kärntner Zeitung = Kärntner Zeitung – Verlag St. Josefs-Verein, Klagenfurt 1894 – 1905.
lib. mort. Althofen = Diözesanarchiv Gurk: Sterbbuch, Althofen 1643 ff.
Neue Zeit = Neue Zeit – Organ der Sozialistischen Partei der Steiermark, Graz: 1945 – 2001.
Rausch 1945 = Rausch, J.: a. 1945 = Diözesanarchiv Gurk: lib. mem. Althofen, S. 305 f.
Völkischer Beobachter = Völkischer Beobachter - Kampfblatt der nationalsozialistischen Bewegung Großdeutschlands: Wiener Ausgabe, Wien 1938-1945.
Literatur
Beer u. Karner 1992 = Beer, S. / Karner, S.: Krieg aus der Luft - Der tägliche Kampf ums Überleben unter Bomben in der Steiermark und Kärnten 1941-1945, Graz 1992.
Mader 2008 = Totenehrung - Heldenehrung. In: Trauner, K. / Nitsche, P. (Hg.): „Ich hatt‘ einen Kameraden ...“, Wien 2008, 13 - 35.
Seite Firmengeschichte Liebenwein = Geschichte Liebenwein LIEBENWEIN-WECO PYROTECHNIK Gesellschaft m. b. H., URL: https://liebenwein-weco.at/geschichte/, abgerufen Juni 2026.
Wohlfahrt 2014 = Wohlfahrt, W.: Bomben vor 70 Jahren auf St. Veit/Glan. In: Wohlfahrt, W. (Hg.): altstveit (altstveit.wordpress.com), URL: https://altstveit.wordpress.com/2014/11/22/bomben-vor-70-jahren-auf-st-veitglan/, abgerufen (Juni 2024).