An der Südseite der Cäcilenkirche in Untermarkt steht ein schmaler Seitenalter.
Er besteht aus einer Predella, also einem kleinen Sockel, darauf eine Ädikula, also ein einer Tempelfront nachempfundenes Architekturelement, mit zwei Säulen an den Seiten, an die außen jeweils Knorpelwerk anschließt. Über dem auch mit Knorpelwerk geschmückten Gebälk sitzt zwischen einem gesprengten Giebel ein Altarbild. Darüber stehen in einer Scheibe mit Sternenkranz die Buchstaben IHS, die für die ersten drei Buchstaben des Namen Jesus in Altgriechisch (ΙΗΣΟΥΣ) stehen.

Seitenaltar in der Cäcilienkirche in Althofen [Quelle: Stadtarchiv Althofen]
Der Altar ist mit „Hanß Georg Pimiller 1689“ an der rechten Säule bezeichnet, auf der linken Säule befindet sich folgendes Wappen: Ein silberner Schild mit rotem Schrägrechtsbalken, belegt mit drei Gänsen, mit bekröntem Helm mit roter Decke und Federgestell.

Wappen der Familie Binmüller am Seitenaltar in Untermarkt [Quelle: Stadtarchiv Althofen]
Die Altarbilder
Das Predellabild stellt Jesus als sogenannten „Schmerzensmann“ dar, flankiert von Maria zur Rechten und Johannes zur Linken.1 Die Darstellung Jesus als Schmerzen Leidender kam, so die Theologien Andrea Zimmermann (*1965), in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf,2 wobei sich der biblische Bezug beim Propheten Jesaja im Alten Testament findet, wo es über den „Gottesknecht“ heißt: „Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen“.3 Die Darstellung von Maria und Johannes dient dazu, so Zimmermann weiter, die Schmerzensmanndarstellungen „mit der Passion als einem in den Evangelien berichteten Ereignis in Zusammenhang“ zu bringen.4 Denn unter anderem standen, wie der Evangelist Johannes berichtet, Johannes und Maria unter dem Kreuz.5
Das Hauptaltarbild stellt eine sogenannte Pietà, auch Vesperbild genannt, dar; ist also eine Darstellung der Gottesmutter Maria als Schmerzensmutter, ihren Sohn am Schoß tragend. Schmerzen wurden Maria bereits im Lukasevangelium bei der Beschneidung Jesu von Simeon prophezeit: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“.6 Während sich nun aber „bereits in der Spätantike […] Darstellungen der Passion Christi aus dem Blickwinkel Marias in der christlichen Literatur des Ostens“ finden, tritt die Schmerzhafte Maria im Westen erst ab dem 12. Jahrhundert auf, wie die Philologien Carmen Cardelle de Hartmann (*1965) darlegte.7 Als „eigenständiger Bildtypus“, so der Historiker Klaus Schreiner (1931 – 2015), bildete sich die Pietà „zu Anfang des 14. Jahrhunderts […] heraus“.8
Das Altarbild im Giebel zeigt Gott als Vater, die linke Hand auf die Weltkugel haltend, und darunter den Heiligen Geist als Taube. Das Symbol der Taube für den Heiligen Geist geht auf die Taufe Jesu zurück, bei der, wie der Evangelist Lukas berichtet, „der Heilige Geist […] sichtbar in Gestalt einer Taube“ auf Jesus herabkam.9
Die Datierung der Altarbilder
Aus der Bezeichnung des Altars mit „Hanß Georg Pimiller 1689“ erkennt man, dass der Altar im Jahr 1689 errichtet wurde, und dass das Werk von „Hanß Georg Pimiller“ gestiftet wurde.
Gleichzeitig mit dem Altar, so der Kunsthistoriker Siegfried Hartwagner (1916 – 2000), ist das Giebelbild entstanden.10
Das Hauptbild passt stilistisch nicht ins Barock und somit auch nicht ins Jahr 1689, sondern in die Gotik. Der Kunsthistoriker Karl Ginhart (1888 – 1971) sprach sich nun für ein „bar[ockes], gotisierendes“ Bild aus.11 Für Hartwagner aber war das Bild „keinesfalls ein gotisierendes Barockbild“,12 sondern stammte aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.13 Für den Kunsthistoriker Ernst Bacher (1935 – 2005) war das Bild nur „stark bar[ock] übermalt“; wobei er die Entstehung des Bildes mit „um 1520“ datierte.14
Die Predella mitsamt Bild stamme, so Hartwagner, „von einem verlorengegangenen Flügelaltar aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts“.15 Für Bacher wurde aber das Bild von derselben Hand gemalt, die auch für das mit 1525 bezeichnete Seitenaltarbild in der Kirche zu Passering verantwortlich war,16 weshalb er das Bild „um 1525-1530“ datierte.17 Ginhart datierte das Bild allgemein in die Spätgotik,18 was sowohl mit Hartwagner als auch Bacher übereinstimmt.
Der Altarstifter
Der Altar ist mit „Hanß Georg Pimiller 1689“ an der rechten Säule bezeichnet. Das Wappen mit rotem Schrägrechtsbalken, belegt mit drei Gänsen findet sich im „Wappenschlüssel“, einem Verzeichnis steirischer Wappen vom steirischen Archivar Josef Kraßler aus dem Jahr 1968. Dort führt Kraßler unter der Rubrik „mit Figuren belegter Schrägbalken“ ein Wappen mit Schrägbalken an, das „mit drei schreitenden Vögeln belegt“ ist und zur Familie Binmüller gehörte.19 Dass sich die Schreibung Pimiller zur modernen Form Binmüller entwickelte, scheint mir schlüssig, da die Form Binmiller bereits 1690 belegt ist.20 Der Name des Stifters war also Johannes Georg Binmüller.
Binmüller wurde 1646 in Leoben geboren, denn das Taufbuch verzeichnete die Geburt des Joannes Georgius, dessen Eltern dominus nobilis Joannes Sigimundus Bÿmiller und Maria Catharina waren.21
In Althofen lässt sich Binmüller erstmals im November 1675 nachweisen, denn im Trauungsbuch von Althofen ist die Hochzeit des Joannes Georgius Pinmilner mulsarius [Lebzelter] mit Anna Judith verzeichnet.22 Anna wurde im Traubuch als Martinti Syn relicta vidua bezeichnet, also als „die zurückgelassene Witwe des Martin Sühn“.23 Dieser war im Jänner 1675 verstorbenen .24 Vikar Bastianschitz nannte Sühn dominus [Herr] Martinus Syn,25 was zeigt, dass Sühn dem niederen Adel angehörte. 1663 kaufte laut Ratsprotokollen Sühn das Lebzelterhaus, das die Heimatforscherin Elfriede Amberger (1905 – 1985) mit dem heutigen Gasthaus Pogatschnig in Untermarkt (Eisenplatz 8) gleichsetzte.26 1681 wurde das Haus erstmals unter Binmüller in den Steuerakten vermerkt, nämlich als Hannß Georg Binmüller (Martin Sühns Erben) unter dem Stichwort Altenmarkhter, also Untermarkter.27
1679 Jahr war Binmüller Mitglied des Äußeren Rates in Althofen,28 1685 gehörte er dem Inneren Rat an.29 Ab 1686 wurde Binmüller für drei oder vier Jahre zum Marktrichter gewählt;30 ein Amt, das er nochmals 1698 und 1699 innehatte.31
1689 stiftete Binmüller den Altar in der Untermarkter Cäcilienkirche, wie sich aus der Bezeichnung des Altars erschließt.
In einem Tauschvertrag aus dem Jahr 1690 bezeichnete Binmüller sich selbst wie folgt: Johann Georg Binmiller, Rathsburger und Handelsmann zu Altenhofen, Gewerkh in der Markht-Hutten zu Hiettenberg.32 Markht-Hutten bezieht sich auf ein Eisenwerk in Hüttenberg, das deshalb so genannt wurde, weil es der Markt Hüttenberg einst besessen hatte.33 Binmüller kaufte, so der Montanhistoriker Friedrich Münichsdorfer (1828 – 1874), das Werk 1691, wobei aber „die Verhältnisse dieser Hütte […] immer misslicher“ wurden, sodass er das Werk nur bis 1696 besaß.34
Am 10. Juni 1700 findet sich Binmüller zum letzten Mal in den Althofener Quellen. An diesem Tag kam sein Sohn Johannes Martin von seiner zweiten Frau Susanne Elisabeth zur Welt.35 Seine erste Frau, im Sterbbuch als domina Anna Judith Pimilnerin bezeichnet, starb fünf Jahre zuvor.36
Für das Jahr 1700 verzeichnete das Althofener Steuerregister für Untermarkt folgendes: Georg Leithner: Lebzelter Haus und Werkstatt und Garten, 1 J[och] Kirchengrund am Kulm, 2 Mahd Kirchenwiese gegen Strauchart [beim Dachberg], Gwerb. Dass Leitner hier aufschien, lag daran, dass er im August 1700 laut Trauungsbuch Barbara Bimillnerin (1673/74 – 1721)37 heiratete, laut Kirchenbuch die Tochter von Johannes Georg und Anna Judith Bimillner.38 Da Barbara Binmüller aber laut Sterbebuch 1721 mit 48 Jahren starb,39 mag sie noch die leibliche Tocher des Martin Sühn gewesen sein.
Günther Jannach (April 2026)
Anmerkungen
1: Die Darstellung ist typisch, den nach Zimmermann 1997, S. 501 habe , „wenn Maria und Johannes den ‚Schmerzensmann‘ in ihre Mitte nehmen, wie dies auf den meisten der Darstellungen geschieht, […] Maria den Platz zur Rechten, Johannnes den zur Linken des „Schmerzensmannes“ inne.“
2: Für Zimmermann 1997, S. 490 lag „der Schwerpunkt der schriftlichen Zeugnisse zum ‚Schmerzensmann‘ […] in der 1.H.12.Jhs. bzw. in der Mi 12.Jhs. und damit zeitlich gesehen vor den frühesten Darstellungen“.
3: Jes 52, 13 – 53, 12. Nach Zimmermann 1997, S. 456 haben “die ‚Schmerzensmanndarstellungen‘ […] vom biblischen Kontext her im sog. vierten Gottesknechtslied (Jes 52,13-53,12), dem die Bezeichnung „Schmerzensmann“ entstammt, einen fest umrissenen Vorstellungshintergrund”.
4: Zimmermann 1997, S. 458 f.
5: Nach Joh 19, 25 f. standen “bei dem Kreuz Jesu […] seine Mutter [...] und bei ihr den Jünger, den er liebte”.
6: Lk 2, 35.
7: Hartmann 2007, S. 202.
8: Schreiner 2003, S. 42.
9: Lk 3, 21 f.
10: Hartwagner 1977, S. 251 nannte das Bild „ein dreipassförmiges Bild von 1689“.
11: Ginhart 1933, S. 2.
12: Hartwagner 1968, S. 33, Anm.12.
13: Nach Hartwagner 1977, S. 251 stamme das Bild aus der „2. H. 16. Jh.“
14: Bacher 2001, S. 14.
15: Hartwagner 1968, S. 33.
16: Bacher 2001, S. 613.
17: Bacher 2001, S. 14.
18: Ginhart 1933, S. 2.
19: Kraßler 1968, S. 39.
20: Wechselbrief v. 1690 (KLA).
21: lib. bap. Leoben St. Xaver, 6. November 1646.
22: lib. matr. Althofen, I, 8. November 1675.
23: lib. matr. Althofen, I, 8. November 1675.
24: lib. mort. Althofen, Ia, 27. Jänner 1675.
25: lib. mort. Althofen, Ia, 27. Jänner 1675.
26: Amberger 1960 (SAA), Alter Markt 61.
27: Steuerregister v. Althofen (SAA), s. v. 1781.
28: Alth. Ratsprot. (SAA), 26. April 1679.
29: Alth. Ratsprot. (SAA), 26. April 1685.
30: Alth. Ratsprot. (SAA), 20. Juni 1686; 6. Mai. 1687 u. 7. Mai. 1688
31: Steuerregister v. Althofen (SAA), s. v. 1698 u. 1699.
32: Wechselbrief v. 1690 (KLA).
33: Nach Münichsdorfer 1870, S. 222 wurde die Hütte 1689 an den Markt Hüttenberg verkauft, wobei dieser sie an Michael Unterberger verkaufte, wodurch sie „seit dieser Zeit […] die Unterbergische Markthütte genannt“ wurde.
34: Münichsdorfer 1870, S. 222.
35: Lib. bap. Althofen, I, 10. Juni 1700.
36: lib. mort. Althofen, Ia, 28. März 1695.
37: Laut lib. mort. Althofen, Ia, 25. Juni 1721 starb domina Barbars Lakhnerin aetatis suae 48 annorum. Lackner hieß sie, da sie nach lib. matr. Althofen, I, 25. Feber 1715 Hans Georg Lackner heiratete.
38: Lib. matr. Althofen, I, 6. August 1700.
39: lib. mort. Althofen, Ia, 25. Juni 1721.
Quellen
Alth. Ratsprot. (SAA) = Amberger, E.: Regesten zu den Ratsprotokollen Althofens (Kärntner Landesarchiv: Markt Althofen). In: Stadtarchiv Althofen: Mappen X-Z u. Braune Hefte I-XVII.
Amberger 1960 (SAA) = Amberger, E.: Häuserchronik – Häuser in Althofen und deren Besitzer, um 1960. In: Stadtarchiv Althofen: KaAmb2.
lib. bap. Althofen = Diözesanarchiv Gurk: Taufbuch, Althofen 1674 ff.
lib. bap. Leoben St. Xaver = Diözesanarchiv Graz-Seckau: Taufbuch, Althofen 1595 ff.
lib. matr. Althofen = Diözesanarchiv Gurk: Heiratsbuch, Althofen 1625 ff.
lib. mort. Althofen = Diözesanarchiv Gurk: Sterbbuch, Althofen 1643 ff.
Steuerregister v. Althofen (SAA) = Amberger, E.: Transkript Steuerregister Markt Althofen von 1538 – 1700 u. 1808 – 1817 (Kärntner Landesarchiv: Markt Althofen, Steuerregister fasc. 17, Nr. 50; Steuerregister fasc. 15, Nr. 78). In: Stadtarchiv Althofen, Mappe 2, 3. u. 10
Wechselbrief v. 1690 (KLA) = Kärntner Landesarchiv: Urkunden des Marktes Hüttenberg, 96-B-20 St, Hüttenberg 20. September 1690.
Literatur
Bacher 2001 = Bacher, E.: Dehio – Bezirk St. Veit / Glan. In: Bundesdenkmalamt (Hg.): Dehio Kärnten, Wien 2001.
Ginhart 1933 = Ginhart, K.: Althofen. In: Frey, E. / Ginhart, K. (Hg.): Dehio - Die Kunstdenkmäler in Kärnten, Salzburg, Steiermark, Tirol u. Vorarlberg, Wien 1933.
Hartmann 2007 = Hartmann, C: Lateinische Dialoge 1200–1400 – Literaturhistorische Studie und Repertorium, Leiden / Boston 2007.
Hartwagner 1968 = Hartwagner, S.: Die Kunstdenkmäler der Gemeinde Althofen. In: Gemeinde Althofen (Hg.): 700 Jahre Markt Althofen, Althofen 1968, S. 31 – 41.
Hartwagner 1977 = Hartwagner, S.: Kärnten – Der Bezirk St. Veit an der Glan, Salzburg 1977.
Kraßler 1968 = Kraßler, J.: Steirischer Wappenschlüssel, Graz 1968.
Münichsdorfer 1870 = Münichsdorfer, F.: Geschichte des Hüttenberger Erzberges, Klagenfurt 1870.
Schreiner 2003 = Schreiner, K.: Maria - Leben, Legenden, Symbole, München 2003.
Zimmermann 1997 = Zimmermann, A.: Dissertation: Jesus Christus als „Schmerzensmann“ in hoch- und spätmittelalterlichen Darstellungen der bildenden Kunst - eine Analyse ihres Sinngehalts, Halle-Wittenberg 1997.