An der Nordwand im Inneren der Cäcilenkirche in Untermarkt ist der Grabstein des Wolfgang Prugger von Pruggendorf (1630/31 – 1667) eingemauert. Folgend gebe ich die Inschrift wieder, wobei „/“ einen Zeilenumbruch darstellt, „(!)“ darauf hinweist, dass der Text genau so geschrieben wurde, und Text in eckigen Klammern die Auflösung von Abkürzungen darstellt.

Grabstein des Wolfgang Prugger [Quelle: Stadtarchiv Althofen: Dig. Slg. R. Pichler, Althofen_24_04.jpg]
GLEICH WIE DER HIERSCH VERLANGT ZV DEM / FRISCHEN PRVNEQVEL ALSO VERLANGT ZV / DIER O HERR MEIN ARME SEEL / HIE LIGT PEGRABEN DER WOLL EDLE VND / GESTRENGE HERR WOLFGANG VON PRVG/GERSTA(!)RFF AVFF WIMIZSTAIN VND EDLINGS/HOFFEN RO[e]M[isch] KAY[serlicher] MAY[estät] PFALZGRAVE VND / IHRER ERZHOCHFÜRST[lichen] DVRCH[laucht] SIGMVNDT FRANZENS ERZHERZOGENS ZV OESTER/REICH HÖCHSTESTEN ANDENKHENS GEWESTER / RATH. AVCH HOOF VND LEHENS Secretarius / DERO LÖB[lichen] BISTVMS GVRGG. IST GESTOR/BEN DEM 10. MEY ANNO 1667 SEINES ALTERS IM 37 / IAR GOTT GEBE SEINER SEELL(!)EN DIE EWIGE RH(!)VE.
Das Wappen am Stein zeigt einen gevierten Schild, wobei Feld 1 und 4 einen aufwärtsschreitenden Löwen, Feld 2 und 3 eine Mondscheibe mit Gesicht zeigen. Das geteilte Herzschild zeigt einen Hund oder vielleicht Panther, über eine Brücke schreitend. Pruggersdorf wurde von Kaiser Leopold 1659 in den Adelsstand erhoben, wobei ihm ein Wappen verliehen wurde.1
Dass Pruggersdorf damals in der Cäcilienkirche selbst bestattet wurde, bestätigt der damalige Vikar Bastianschitz, der im Althofener Sterbbuch für den 12. Mai 1667 festhielt, dass der „adelige Wolfgang von Pruggerstorf, durch die Heilige Kommunion und die letzten Ölung geschützt, verstarb und in der Kirche des Alten Marktes begraben wurde“.2
Eine Urkunde von 1663 bezeichnete Pruggersdorf als „Wolfgang Prugger von Pruggerstorff, Protho Notarius und kaiserlicher Pfatz: und Hoffgraff zu Latein comes palatinus genannt, und hochfürstlicher Secretarius,3 eine Urkunde von 1664, ausgestellt in Straßburg, bezeichnete ihn als „Wolfgang Prugger von Pruggersdorf zum Edlingshoffen rom. kay. may. […] Pfalz: Hoffgfave zu Latein comes palatinus genannt und ihres Erzfürst: Durchlaucht Sigmund Franzen Erzhörzogen zu Öesterreich […] als regierenden Fürsten und Bischoven zu Gurgg respective Hoff: und Lechens Secritarius alda“.4
Pruggersdorf war also Protonotar und somit Leiter einer Kanzlei; nämlich wohl jener in Straßburg des Gurker Bischofs Sigmund Franzen, der von 1653 bis 1665 Bischof von Gurk und von 1662 bis 1665 Erzherzog von Österreich war.5 Denn aus der zweiten Urkunde geht hervor, dass er „alda“, also in Straßburg, als Hof- und Lehenssekretär arbeitete, wobei Straßburg damals die Residenz des Gurker Bischofs war.6
Durch seine Funktion als Kaiserlicher Hofpfalzgraf besaß Pruggersdorf zusätzlich, wie ein Rechtsbuch aus dem 18. Jahrhundert ausführte, gewisse Rechte, die ihm „im Nahmen des Kaisers auszuführen“ gestattet waren, wie zum Beispiel „Doctores […] in den Rechten und der Medizin, wie auch Magister der Philosophie […] zu machen, bürgerliche Wappen zu erteilen, unehelich gebornene denen ehelich gebornenen gleichzustellen das Recht der Volljährigkeit zu erteilen, u s. w“.7
Sein Grabstein bezeichnet Pruggersdorf als „auff Wimizstain“, woraus sich erschließt, dass er auch den Ansitz Wimitzstein in der heutigen Gemeinde Frauenstein besaß. Die Größe seines Besitzes erkennt man aus dem Verkauf des Ansitzes durch seine Tochter. Denn 1681 verkaufte laut einer Urkunde „Maria Katharina Stadlerin geborene von Pruggerstorff“ den „adeligen Süz Wimbizstain als alt: und neu erpauthen Stökl, Mayrhauß, Stadl, Garthen, Mühl, Nagelschmieden, Hammer mit zwei Schläg, anbeiligenden Saag, Huffschmieden und Würrthshaus, Gründ und Poden, Weismadh, Wald“, den sie von ihrem „Herrn Vatern Wolfgang von Pruggerstorff, dann“ ihrer „Frau Muttern Anna Christina von Pruggerstorff“ geerbt hatte.8 Seit wann Pruggersdorf im Besitz von Wimitzstein war, ist mir nicht bekannt, zur Mitte des 17. Jahrhunderts besaß jedenfalls noch die Familie Eisenhiert (Eisenhört, Eisenhart) das Gut.9
Pruggersdorf saß laut Grabstein aber nicht nur Wimitzstein auf, sondern auch Edlingshofen. Edlingshofen ist der ehemalige Edlingshof in Untermarkt (Edlingshofer Straße 4). Denn Pruggersdorf heiratete Anna Christina Pader, die Tochter von Wolfgang Pader von Edlingshofen (- 1662)10, unter anderem seit 1654 Besitzer der Floßhütte in Treibach.11 In Althofen zahlte Pader laut den Steuerakten von 1657 Steuern von „Haus und Garten von der Reauzischen Behausung, vom Edlingshof, vom von Christian Meisl erkauften Mayrhof zu Hundtsstorf“12. Nach seinem Tod wurden im Steuerregister 1664 als „Wolf Paders Erben“ seine Schwiegersöhne13 „Herr Wolf von Pruggerstorff und Herr Hieronyme vonn Neppelsperg“ angeführt.14 Da Pruggersdorf hier das erste Mal in den Steuerlisten erscheint, gehe ich davon aus, dass er der erste seiner Familie ist, der in Althofen wohnte.

Untermarkt um 1940, links unten der Fercherhof. [Quelle: Stadtarchiv Althofen: Fotoalbum Ansichtskarten Althofen und Umgebung; Datierung: Das Bild entstand nach der Erweiterung der Volksschule 1931, von der die Kärntner Zeitung, 30. September 1931, S. 4 berichtete, aber vor um 1940, da die Volksschule noch eine Kuppel trägt, die auf Fotos der frühen 1940ern, wie jenem Foto d. Volksschule um 1940 (SAA), nicht mehr vorhanden war.]

Fercher in Untermarkt mit Winkelwirt im Hintergrund (vor 1953) [Quelle: Stadtarchiv Althofen: Fotoalbum Ansichtskarten Althofen und Umgebung; Verortung durch Hans Knafl; Datierung: Das Gebäude scheint mir im Zustand vor der Renovierung von 1953]
Nach Pruggerdorfs Tod wurden 1668 und 1669 „Wolfgang Pruggers Erben“ als Steuerpflichtige verzeichnet, 1670 schließlich seine Frau Anna Christina, die 1673, nachdem sie Markus Grießler geheiratet hatte,15 als Anna Christina Grießlerin in den Steuerakten erscheint, die „von Haus und Garten in Altenmarkt, vom eingefallenen Haus und Garten vom Edlingshof“, sowie von einigen Grundstücken Steuer zahlen muss.16
Der Edlingshof wurde im Franziszeischen Kataster von 1829 als „Faicherhof“ und im Besitz von Franz Pirker bezeichnet, bestehend aus „Wohnung, Hof, Stall, Wirthschaftsgebäude, Gemüßgarten“ beziehungsweise „Wohnung u[nd] Hof“ auf den Bauparzellen 118 und 119.17 Dass es sich dabei um den Edlingshof handelte, erschließt auch aus den Verlassenschaftsaufzeichnungen des Marktes Althofens, die verzeichneten, dass Franz Pirker 1820 den „Edlingshof“ erbte.18 Dass der Hof im Kataster als Fercherhof bezeichnet wurde, erklärt sich daraus, dass laut Verlassenschaftsakten „Philipp Pöcher oder Fercher“ seit spätestens seit 1703 den Edlingshof besaß.19 Fercher aber wurde Pöcher genannt, weil er gleichzeitig vulgo Fercher in Kreuth (Albert-Kreiner-Weg 10) besaß.20
1968, als in Althofen Straßennamen eingeführt wurden, wurde die Straße beim Edlings- beziehungsweise Fercherhof als Edlingshoferstraße bezeichnet.21 Die Benennung der Straße geschah in dieser Weise, da sie „am Fercherhof vorbei[führt], […] der in früherer Zeit den Namen Edlingshof“ führte, wie es in den von der Gemeinde herausgegebenen Erläuterungen zu den Straßennamen von 1968 heißt.22
1953 kaufte laut der Zeitung Neue Zeit die Gemeinde den Hof auf, um ihn „renoviert und aufgestockt“,23 als Wohnbau für zehn Mietparteien zur Verfügung zu stellen.24 1993 wurde, so der Althofener Heimatforscher Albert Kreiner (1927 – 2006), das alte Gebäude abgerissen und 1995 die heutige Wohnanlage errichtet.25
Günther Jannach (Juni 2025)
Anmerkungen
1: Adelserhebung v. 1659 (OeStA).
2: Im lib. mort. Althofen, Ia, 12. Mai 1667 heißt es: Nobilis Wogffgangus a Pruggerstorf sacra synaxi et extrema unctione unicone nurtuus et sepultus in eccl[es]ia antiqui fori.
3: Urkunde v. 1663 (KLA).
4: Urkunde v. 22. März 1664 (DAG).
5: Nach Wurzbach 1870, S. 148 wurde Sigismund Franz (1630 – 1665), „Erzherzog von Oesterreich, […] mit 14 Jahren [...] Bischof von Gurk, zwei Jahre später von Augsburg, zuletzt, 1662, Bischof von Trient“.
6: Es wurde, so Leitner (2008), Einleitung, S. xxvi, „In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts […] die eigentliche Bischofsresidenz nach Straßburg verlegt“.
7: Scheidemantel (1783), s.v. Hofpfalzgraf. In der Ausführung dieser Rechte begegnet uns Pruggersdorf beispielsweise in der Urkunde v. 1663 (KLA) aus dem Jahr 1663, als er die unehelich geborene Marie Neuhauser legitimierte, oder in der Urkunde v. 24. August 1664 (KLA), als er dem Marx Grayer aus der Nähe von Weitensfeld ein Wappen verlieh. Diese Urkunde zeigt zudem, dass ihm dieses Recht 1659 von Kaiser Leopold verliehen wurde.
8: Kaufbrief v. 1681 (KLA).
9: Nach Leitner (2008), Kommentar Nr. 751 war „Hans Anton Eisenhiert […] jedenfalls zu Beginn des 17. Jahrhunderts Besitzer von Wimitzstein bei Kraig“, und nach seinem Tod 1648 soll sein Sohn noch 1667 in „Wimitzstein ansässig“ gewesen sein. Das würde bedeuteten, dass Pruggersdorf erst kurz vor seinem Tod Wimitzstein erwarb.
10: Laut lib. mort Althofen, Ia, 21. November 1662 starb „Dominus Wolffgang Pader ab Edlingshoffen“ im Jahr November 1662.
11: Münichsdorfer 1870, S. 271.
12: Steuerregister v. Althofen (SAA), s. v. 1657.
13: 13: Münichsdorfer 1870, S. 234 bezeichnete „Herrn Hieronimus von Neppelsberg […] und Herrn von Bruggersdorf“ als „Schwiegersöhne“ von Wolf Pader.
14: Steuerregister v. Althofen (SAA), s. v. 1664.
15: lib. matr. Althofen, I, 25. Juli 1673.
16: Steuerregister v. Althofen (SAA), s. v. 1673.
17: Franz. Kataster, Bauparzellenprotokoll Althofen v. 1829 (KLA).
18: Familien Althofen (SAA), I– Z, Fam. Pirker 1820 = Nr. 87 fol. 340 – 343.
19: Familien Althofen (SAA), I– Z, Familie Pöcher 1715= Nr. 87 fol. 112 – 201. Das Feuerstättenverzeichnis v. 1703 (SAA) führte Pöcher bereits als Besitzer des Hofes „in Kreit“ und vom „Edlinghof“. Letztes bestätigt auch das Steuerregister v. Althofen (SAA), s. v. 1707.
20: Siehe Fußnote 15.
21: Gem. Prot., 2. September 1968, Pkt. 4.
22: Amberger 1968 (SAA), S. 2.
23: Die Neue Zeit, 13. April 1954, S. 5 berichtete, dass der durch die Gemeinde „m Vorjahr angekaufte Fercherhof […] renoviert und aufgestockt“ werde.
24: 1955 beratschlagte laut Neue Zeit, 14. Jänner 1954, S. 5 der Gemeinderat über die „Neufestlegung der Mietzinse und Betriebskosten für die zehn Mietparteien des renovierten Fercher-Hofes“.
25: Kreiner (SSA).
Quellen
Adelserhebung v. 1659 (OeStA) = Österreichisches Staatsarchiv: Prugger, Wolfgang, Hof- und Lehensekretär des Erzherzogs Sigmund Franz, Adelsstand, „von Pruggersdorff”, Wappen, AVA Adel HAA AR 755.44. Wien, 5. Oktober 1659.
Amberger 1968 (SAA) = Amberger, E.: Legende zu den Straßen-, Wege- und Plätzebezeichnungen im Ortsbereich der Marktgemeinde Althofen, Althofen 1968. In: Stadtarchiv Althofen: Mappe M.
Familien Althofen (SAA) = Amberger, E.: Transkript Familien Markt Althofen (Kärntner Landesarchiv: Markt Althofen, Familien A-H, Fasc. XVII / Nr. 87 ff. = 86-77 Su und Familien I-Z, Fasc. XV / Nr. 84 ff. = 86-78 ). In: Stadtarchiv Althofen, Heft XV, u. Heft XV.
Feuerstättenverzeichnis v. 1703 (SAA) = Stadtarchiv Althofen: Amberger, E.: Regesten der Burgfriedsgerechtigkeit (Kärntner Landesarchiv: Markt Althofen, Burgfriedsgerechtigkeit, fasc. 5, fol. 18 – 21). In: Stadtarchiv Althofen: Mappe 17.
Franz. Kataster, Bauparzellenprotokoll Althofen v. 1829 (KLA) = Kärntner Landesarchiv: Franziszeischer Kataster, Bauparzellenprotokoll Althofen, Wolfsberg 1829.
Gem. Prot. = Stadtgemeinde Althofen: Gemeinderatsprotokolle der Gemeinde Althofen, Althofen 1954 ff.
Kaufbrief v. 1681 (KLA) = Kärntner Landesarchiv: Urkunden der Goëssischen Herrschaftsarchive 25-B-246 St, 7. Juli 1681.
Kreiner (SSA) = Kreiner, A.: Edlingshof - Fercherhof (Edlingshoferstraße Nr. 4). In: Stadtarchiv Althofen, Dig. Archiv Slg. Pichler, Edlingshof-Fercherhof.doc.
lib. matr. Althofen = Diözesanarchiv Gurk: Heiratsbuch, Althofen 1625 ff.
lib. mort. Althofen = Diözesanarchiv Gurk: Sterbbuch, Althofen 1643 ff.
Neue Zeit = Neue Zeit – Organ der Sozialistischen Partei der Steiermark, Graz: 1945 – 2001.
Scheidemantel (1783) = Scheidemantel, H.: Repertorium des Teutschen Staats- und Lehnrechts, Bd. 2, Leipzig 1783.
Steuerregister v. Althofen (SAA) = Amberger, E.: Transkript Steuerregister Markt Althofen von 1538 – 1700 u. 1808 – 1817 (Kärntner Landesarchiv: Markt Althofen, Steuerregister fasc. 17, Nr. 50; Steuerregister fasc. 15, Nr. 78). In: Stadtarchiv Althofen, Mappe 2, 3. u. 10.
Urkunde v. 1663 (KLA) = Kärntner Landesarchiv: Allgemein Urkundenreihe 418-B-A 3193 St, 10. Oktober 1663.
Urkunde v. 22. März 1664 (DAG) = Diözesanarchiv Gurk: Allgemein Urkundenreihe 99 1 16, Straßburg 22. März 1664.
Urkunde v. 24. August 1664 (KLA) = Kärntner Landesarchiv: Urkundenreihe 418-B-A 4984 F St, 24. August 1664
Literatur
Leitner (2008) = Leitner, F.: Einleitung und Kommentare. In: Die Inschriften des Bundeslandes Kärnten - Politischer Bezirk St. Veit an der Glan, Wien 2008.
Münichsdorfer 1870 = Münichsdorfer, F.: Geschichte des uralten Hüttenberger Erzberges, Klagenfurt 1870.
Wurzbach 1870 = Wurzbach, C.: Sigismund Franz. In: Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich, Bd. 7, Wien 1861, S. 148.